Dienstag, 31. März 2009

Traktoren-Quartett

Das wohl erfolgreichste Geschenk der letzten Monate für Jonas stammt von Annika, Susannes deutscher Finnisch-Kurs Kollegin, die hier in Finnland ein Praktikum bei der Traktorenhersteller-Firma Valtra gemacht hat. Jonas war von der ersten Minute an hin und weg ab all der Traktoren. Schon am frühen morgen gibt es für ihn häufig nur eines: "Traktore Quartett spile".


Inzwischen liegt seine Trefferquote, was die vier Traktorenmarken Valtra, Challenger, Fendt und Massey Ferguson angeht, bei 100%. Schnelle Traktoren - wie hier der Fendt - werden zudem sofort erkannt. Liebe Verwandte und Freunde: ihr dürft dreimal raten, welches Spiel Jonas unbedingt in die Schweiz mitnehmen will - und was dann euer Job sein wird...


Übrigens: Das professionelle Halten der Karten ist inzwischen natürlich auch ein Kinderspiel (und als Voraussetzung für eine spätere Jass-Karriere von den Eltern nicht ungern gesehen).


Zum Glück kommt es aber doch noch ab und zu vor, dass Jonas seine Traktoren mal für einige Minuten vergisst und sich etwas anderem zuwendet. Schöne Momente!

Samstag, 28. März 2009

Konnevedellä



Rund 5 Monate war Christian nicht mehr in Konnevesi, dem Ort 60 km weg von Jyväskylä, wo sich die Forschungsstation befindet. Zu Ehren Darwin's (200. Geburtstag) fand aber dort von Donnerstag bis Samstag ein kleiner Kongress zum Thema Evolution statt, mit Wissenschafter aus Jyväskylä, Turku, Helsinki und Umeå. Es war ein guter Anlass und das drumherum stimmte auch. Gutes Essen, Sauna, Kota (Grillhütte) und eiskalter Sonnenschein (-15°C). Da es genug Zeit gab für ausgiebige Spaziergänge, hier einige Eindrücke vom "Land".

Das Eisloch bei der Forschungsstation. Ja, dieses Loch wird extra unterhalten, damit sich Wagemutige nach der Sauna abkühlen können (Christian hat's nicht auspobiert).


Eindrückliche Eisgebilde bei der Stromschnelle in Siikakoski.


Durch die kleinen Wellen am Ufer bricht die Eisdecke in hunderte gleich grosse Teile.


Die Schwäne (Joutsenet) sind auch wieder zurück, der Frühling ist also doch in Sicht. Übrigens ist dies hier nicht die gleiche Schwanart wie in der Schweiz, im Gegensatz zum helvetischen Höckerschwan ist der Schnabel des Singschwans (sinngemäss Laulujoutsen) schwarz-gelb und hat keinen Höcker.


Eindrücklich ist auch, der Wasseramsel (Koskikara) beim Fressen zuzuschauen. Der am besten ans Wasser angepasste Singvogel springt von Steinen ins Wasser, kann richtig tauchen und ernährt sich dabei v.a. von Insektenlarven.


In der Nähe der Forschungsstation befindet sich dann noch ein Gutshaus, das unten am Fluss mehrere kleine Sommerhäuschen hat. Wirklich idyllisch gelegen...

Donnerstag, 26. März 2009

Kevät

Kleiner Beitrag zum Thema Frühling (Kevät). Bei uns wurde es seit dem 21. März eher immer mehr Winter, wie man den Wetterbeobachtungen unten entnehmen kann. -13°C am frühen Morgen... Und für Freitag und Samstag sind -15°C angesagt.


Lustig nur, dass dabei trotzdem eine Art Sommergefühle aufkommen, weil das Wetter so fantastisch und die Tage so lang sind.

Sonntag, 22. März 2009

Spaziergang

Heute durfte sich Susanne von ihren Strapazen erholen und lange ausschlafen, und so gingen die Männer früh am Sonntagmorgen bei herrlichem Wetter und -7°C spazieren. Auf dem Programm stand die Besichtigung diverser Loks am Bahnhof...


... und der alten Boote am Hafen, immer noch ganz fest eingefroren.


Zum Schluss schauten wir auf dem Jyväsjärvi noch ein Weilchen den wenigen Finnen zu, die so früh Schlittschuhlaufen gingen.


So könnte doch der Winter immer sein! Als wir zurück kamen, war Susanne schon auf dem Balkon am Sonne tanken.

Samstag, 21. März 2009

Parturi

Der offizielle Frühlingsbeginn startet mit einem Wetterumschlag - endlich zeigt sich Mittelfinnland wieder einmal von seiner prächtigsten Seite! Wir haben es verdient nach so viel grau im Januar und Februar. Von nun an haben wir wieder die längeren Tage als unsere Freunde und Verwandten im Süden, und das bis zum September. Es war sehr eindrücklich, wie rasant sich die Tage in letzter Zeit verlängert haben.


Neben den längeren und helleren Tagen ist hier aber nicht viel vom Frühling zu spüren. Die Seen sind noch fest gefroren (und das wird auch noch eine Weile so bleiben), die Temperaturen sinken bis -10°C und die Landschaft ist weiss. Zur Feier des Tages haben wir wieder einmal die tolle Aussicht vom Haus"berg" Harju genossen. Oben der Blick Richtung Süden über die Stadt und den Jyväsjärvi. Unten der Tuomiojärvi im Norden.


Dorthin machten wir uns dann auch am Nachmittag für einen Spaziergang auf. Wir genossen die Sonne auf dem See, auch wenn unser grosser kleiner Knabe mit dem Nachmittagsprogramm gar nicht einverstanden war.

Susanne hatte in den letzten 2 Wochen schon mehrmals vergeblich versucht, Jonas die Haare zu schneiden, er wollte einfach nicht mitmachen. So zogen wir heute alle unsere Register. Er durfte einen "Winne the Pooh" DVD schauen, gleichzeitig Pulla essen und für den Coiffeur hinhalten. Und es klappte! Erzieherisch ist das wohl grundverkehrt, aber wie soll man jemandem die Haare schneiden, der dies mit Kopfschütteln zu verhindern versucht?


Und das Resultat darf sich doch sehen lassen...

Mittwoch, 18. März 2009

Krank

Seit Dezember sind wir von Krankheiten verschont geblieben, aber heute hat es gleich Susanne und Jonas erwischt. Letzteren leider ziemlich heftig.


Das hiess: keine Krippe und beide Eltern nicht am arbeiten, sondern am selber liegen und/oder Lieder singen und Geschichten erzählen.


Dabei ist Jonas häufig eingeschlafen - immer wieder eindrücklich, wieviel Kinder mit Fieber schlafen können.

Samstag, 14. März 2009

Karonkka


Uups, was ist denn hier los? Christian in Anzug und Krawatte? Ganz einfach, hier in Finnland geht Mann ausnahmslos im schwarzen Anzug und Frau im Abendkleid zu einer "Nach"-Doktorfeier, einer sogenannten Karonkka. Und da der Anzug in der Schweiz geblieben ist, musste er sich von Christian Meier einen ausleihen. Vielen Dank! Mit Ausnahme des Militärdienstes trug Christian noch nie eine Krawatte in seinem Leben. Im Zeitalter des Internets ist aber nicht einmal der Krawattenknoten ein Problem...

Eine Doktorprüfung und die anschliessende Feier sind hier ein sehr formeller Anlass und haben ganze klare Regeln. Ville Friman musste sich heute 2 Stunden lang den Fragen seines "Opponents" aus Oxford stellen und tat dies bravourös. Am Anfang und Schluss der Doktorprüfung steht man auf und danach steht man Schlange für die Gratulation.


Die Karonkka war gut, wenn auch nicht wirklich ereignisreich. Und wiederum sehr formell. Um 19 Uhr fanden sich die etwa 100 persönlich eingeladenen Gäste pünktlich im Vorraum der Feier ein, wo man einem Plan entnehmen konnte, wer an wechem Tisch sitzen wird. Nach kurzem Warten schritt man in den Festsaal. Dort wurde man persönlich vom frischgekürten Doktor und seiner Verlobten begrüsst, ging zum Tisch, suchte seinen Platz und wartete, bis alle da waren. Dann gab es ein erstes Prosit auf Ville und man durfte sich (endlich) setzen. Auch die Tischordnung war ganz streng geregelt, am Tisch von Ville dessen Verlobte und die wichtigsten wissenschaftlichen Mitarbeiter, dann wir, der erweiterte Arbeitsfreundeskreis, und am letzten Tisch Freunde, Famile und Verwandte.

Nach den ersten 2 Gängen dann die Reden, in fest geregelter Reihenfolge. Bei jeder Gelegenheit wurde geprostet, um sicherzustellen, dass die ganze Gesellschaft auch genug trank... Christian hätte gerne auf das Formelle verzichtet, sich dafür ein wenig mehr Aktivität während der Party gewünscht. Das Ganze machte doch einen eher künstlichen Eindruck, vor allem auch deshalb, weil es auch nicht zu Ville passte, dem eher wilden langhaarigen Finnen, der einen eher schmutzigen Humor besitzt und in einer erfolgreichen Death Metal Band spielt...

Freitag, 13. März 2009

Gewusst wie

Freitagnachmittag. Nach einer ca. viertelstündigen Busfahrt - die für Jonas wie immer ein Highlight ist - treffen wir bei den Meiers ein. Nach Kaffeeklatsch, Pulla und vier Kinder in Strumpfhosen, Skianzüge, Handschuhe, Mützen etc. verpacken gehts nach draussen zum Spielen. Jonas lässt es sich heute so richtig gutgehen und sich von den Mädchen rumchauffieren...


... und das so lange, bis Verstärkung her muss!


Abends dann noch ein gemeinsames Essen mit den zwei Christians und schon müssen wir wieder nach Hause, was Jonas gar nicht passt - lauthals meldet er seinen Protest an (eine seiner weiteren Lieblingsbeschäftigungen zur Zeit). Nachdem wir ihm aber versichern, dass wir bestimmt wieder einmal kommen, lässt er sich dann doch überreden, ins Auto einzusteigen. Glück gehabt!

Mittwoch, 11. März 2009

Salmiakki

Geht man in Finnland in die Süsswarenabteilung, dann besteht ein grosser Teil der angebotenen Produkte aus Lakritze (Bärendreck). Für uns Mitteleuropäer ist das sehr gewöhnungsbedürftig, denn im Gegensatz zu uns lieben hier die meisten Leute das Produkt der gleichnamigen Pflanze, die auch Süssholz heisst. Der Süssholzextrakt ist übrigens keineswegs schwarz, diese Farbe ist künstlich erzeugt.


Salmiakki, die salzige Lakritze, beinhaltet zusätzlich Salmiak, also Ammoniumchlorid (Lateinisch sal ammoniacum, daher also der Name). Unzählige Salmiakki-Produkte gibt es, von den normalen Bonbons über Schokolade bis hin zu Schleckstengel...


Dazu gibt es diverse medizinische Anwendungen von Lakritze und Salmiakki, so wirkt z. Bsp. Ammoniumchlorid in hohen Konzentrationen schleimlösend in der Lunge. Aber die beliebteste Medizin der Finnen ist der Salmiakki Koskenkorva, ein 32%-iger Likör aus Wodka und Salmiakki. Man liebt oder hasst ihn. Er fehlt an keiner Party und mit ihm kann man sich schnell betrinken, da man wegen dem starken Geschmack vom Ethanol kaum etwas mitbekommt.


Unserer Meinung nach übertreiben es aber die Finnen mit ihrer Lakritze ganz klar, wie das Beispiel unten zeigt...

Sonntag, 8. März 2009

Mennään kotiin

Leider ging heute unser verlängertes Wochenende in Ähtäri schon zu Ende. Wir haben es richtig genossen, waren 2 mal im Zoo, 2 mal im Hotel-eigenen Hallenbad, gingen fein Essen, spazieren, Bob fahren und haben, wie immer im Hotel, viel geschlafen. Hier noch einige Eindrücke:

Zootour auf finnisch...


Von wegen Winterschlaf, wir haben die Bären doch noch gesehen...


Und sind auf den Luchs gekommen...


Abendstimmung am Ähtärinjärvi...


Und auch der Sonnenuntergang liess nichts zu wünschen übrig...


Zeit, unsere Sachen zu packen...


Auf dem Rückweg entdeckt...

Samstag, 7. März 2009

Pilkkikilpailu

Am 2. Tag unseres verlängerten Wochenendes in Ähtäri hatten wir das besondere Vergnügen, Zeugen eines sogenannten Pilkkikilpailu, eines Eisfischwettbewerbes, zu sein. Geschätzte 100 Teilnehmer hatten genau 3 Stunden Zeit, um möglichste viele Fische zu fangen.


Die Hobbyfischer verteilten sich auf dem See, und um Punkt 12 Uhr wurde der Wettbewerb mit ein paar Schüssen eröffnet. Die Sache ist dann ganz unspektakulär, mit ihren riesigen Bohrern machen die Teilnehmer ein 10-20 cm grosses Loch in den See, setzen sich auf ihre Spezialrucksäcke (die zu Stühlen umgewandelt werden können) und versuchen ihr Glück.


Und natürlich fliesst das Bier und der Wodka in grossen Mengen. Schon 2 Stunden vor dem Wettkampf, um 10 Uhr morgens, waren viele Männer vor unserem Hotel am Bier trinken. Ein Wettkämpfer konnte bereits kaum mehr stehen, als der Wettkampf begann. Grundsätzlich aber verhielten sich alle recht korrekt und es war amüsant zuzuschauen, wie die gesamte Meute immer hemmungsloser wurde, was meist in Schneeballschlachten endete. Das kümmerte die Schneetöfffahrer allerdings nicht, die in unglaublichem Tempo über den See rasten.


3 Stunden später wurde der Wettkampf wiederum mit ein paar Gewehrschüssen beendet und die Teilnehmer begaben sich zum Schiedsrichter, um ihren Fang zu präsentieren. Prämiert wurden dabei der schwerste Gesamtfang, der grösste, aber auch der kleinste gefangene Fisch. Die Entscheidung um den grössten Fisch war knapp, der Mann unten rechts verlor sie um 2 Gramm, und dies nach 4 maligem Wägen...


Ein bisschen spannender hatten wir uns das schon vorgestellt, so vergnügten wir uns halt mit Bob und Jonas auf dem See.

Freitag, 6. März 2009

Ähtärin eläinpuisto

Langsam aber sicher haben wir genug vom grau in grau in Jyväskylä - wir können uns eigentlich nicht über den schnee- und temperaturmässig tollen Winter beklagen, aber die Tage mit Sonne im Jahre 2009 kann man wohl immer noch an 2 Händen abzählen... Dieses Wochenende hingegen war ein wenig Sonne angesagt, und so entschlossen wir uns spontan, 3 Tage in Ähtäri, etwa 110 km westlich Jyväskylä gelegen, zu verbringen. In Ähtäri gibt es einen grossen Eläinpuisto, einen Tierpark. Der Zoo hat zwar nicht nur einheimische Tiere, aber ausnahmslos solche, die sich nicht an den hiesigen klimatischen Verhältnissen stören.


Beim Eingang kann man sich einen Bob schnappen und so Jonas gemütlich durch den wunderschönen Park, natürlich an einem See gelegen, ziehen. Au diese Weise geht es von Tierart zu Tierart, die ganze Strecke misst über 3 km. Und so haben wir uns also intensiv den finnischen Nationaltieren angenommen. Hier eine unvollständige Auswahl.

Das Rentier (Poro) steht wohl für Finnland wie kein anderes Tier, nicht nur wegen dem Weihnachtsmann. Am häufigsten trift man im Norden des Landes die halbwilde Form an. Sie leben in gezäunten Bereichen und werden nur einmal pro Jahr zur Zählung und für Schlachtungen zusammengetrieben. Es ist das am nödlichsten lebende grosse Säugetier.


Das Waldren, die wilde Form des Rentiers (Metsäpeura), ist grösser und hat längere Beine. Nur 2 Populationen mit insgesamt 3000 Exemplaren gibt es in Finnland. Das Rentier ist übrigens die einzige Hirschart, bei der auch die Weibchen ein Geweih besitzen.


Allerdings erscheint das Ren winzig im Vergleich zum Elch (Hirvi, unten ein Weibchen). Er wird bis zu 3 m lang, 2.3 m hoch und 800 kg schwer. Kein Wunder ist ein Autounfall mit einem Elch der Albtraum jedes Finnen.


Seit 1968 steht der Luchs (Ilves) in Finnland unter Schutz und das hat dazu geführt, dass es davon immer noch über 800 Tiere gibt, ohne dass sie je wieder eingesetzt werden mussten.


Der Wolf (Susi) ist nicht häufig anzutreffen, nur etwa 100 Exemplare leben in Finnland. Aber in sehr harten Wintern wandert er in Massen von Russland über die Grenze ein. Und natürlich ist er nicht wirklich beliebt, wen wundert's, denn neben Elchen reisst er auch Schafe und Rentiere.


Eine Spezialität der hiesigen Vogelfauna sind die Eulen (Pöllölinnut). Mindestens 4 Arten findet man nur im Norden Eurasiens und viele Vogelfans reisen nur ihretwegen nach Finnland. Das Eulenhaus im Tierpark ist dann auch sicher einer der Höhepunkte des Tierparks, hier findet man unter anderem Habichtskauze...


... und die riesigen Bartkauze (Spannweite bis zu 130 cm), auch Lappland-Eulen genannt.


Und zuletzt wohl noch das Highlight des Parks, zumindest für Mitteleuropäer. Der Vielfrass (Ahma) ist ein marderartiges Raubtier, dass sich allerdings auch von Beeren ernährt, wenn es denn sein muss. Nicht nur in Kanada, nein auch in Finnland ist dieses äusserst scheue Tier zu finden. Überall sonst wurde es ausgerottet. Der Name bezieht sich übrigens nicht auf die Ernährungsgewohnheiten, sondern ist vom altnorwegischen Fjellfräs (Gebirgskatze) abgeleitet.


An dieser Stelle hätten wir natürlich noch gerne einen Bären gezeigt, aber der macht leider momentan seinen Winterschlaf...