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Samstag, 25. Juni 2011

Kuriositäten und Eigenheiten in Finnland

Ein Gastbeitrag von Jeanne Rellstab

Ich durfte nochmals zehn Tage in Finnland bei den Fischstäblis verbringen und das haben wir ganz besonders genutzt. Der Zeitpunkt der Reise war speziell gewählt, nämlich die längsten Tage im Norden!

Eine lange Reise stand uns bevor: 300 km in Richtung Osten, nach Koli in Nordkarelien, an den Pielinensee. Dort erlebte ich einige Spezialitäten von Finnland. Hier einige Beispiele:


Hügel und Felsen und von dort eine fantastische Aussicht auf den See.


  
Nacktbaden im eiskalten See und Spielen im Sand, aber nur für die Junioren!


Die Fähre von Insel zu Insel (übrigens gratis!)


Das Juhannusfeuer für das Mittsommernachtsfest. Inhalt: Abfallholz, zwei alte Pneus, ein altes halbiertes Boot. Wohl ein ziemlich stinkendes Feuer!


Auf der Rückreise konnte ich endlich den hohen Turm in Kuopio besteigen, der das letzte Mal - vor zwei Jahren - geschlossen gewesen war. Hier sah man neben der wundervollen Aussicht auf Wälder, Seen und die Stadt Kuopio auch direkt auf die sehr hohen Sprungschanzen hinunter.


Juhannus, der am am 24. Juni stattfand - übrigens immer am Freitag nach dem längsten Tag - verbrachten wir mit Mika, Monika und Noah in ihrem Mökki am See. Auf einer Fahrt mit dem Motorboot über den See erblickten wir eine besondere Rarität: Zwei Fischer auf einem Floss (eigentlich der Steg), das mit einem Aussenbordmotor versehen war.


In der Nacht erlebten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang, sassen neben einem Juhannusfeuer (diesmal aus richtigem Feuerholz und kleiner) auf dem äussersten Felsen nahe der Hütte, und aus meinem Bett konnte ich nachher die ganze Nacht den Stand der Sonne kontrollieren. Es wurde natürlich nie dunkel und das Abendrot ging direkt ins Morgenrot über!


Leider erblickten wir auf unserer ganzen Reise keinen einzigen Elch! Aber im Zoo leben jetzt auch Rentiere und die konnten wir von ganz nah bewundern!

Dienstag, 24. August 2010

Swiss visit and swedish balls

(Gastbeitrag von Karin)

It can be difficult.
To bake.
With four children.
Under the age of four.
But very popular.


Especially when what you bake.
Are sugary, chocolaty, swedish balls.
Our visiting friends.
Helped.
With baking.
But most importantly.
With the eating.



The kids.
A little shy at first.
It's been a while since last time.
The whole summer has passed.
But after a while.
The two mommies.
Got some time to chat.


Drink some tea.
Eat chocolateballs.
Catch up on summeradventures.
Enjoy eachother's company.
Hope to see you all soon again.

(Dies ist bereits der zweite Gastbeitrag von Karin, die mal mit Susanne zusammen in den Finnischkurs ging. Geklaut von ihrem Blog, aber natürlich mit ihrem Einverständnis.)

Freitag, 9. Juli 2010

Hard to digest, but good for you

Geklauter Gastbeitrag von Roman Schatz, aus seinem Buch "From Finland with love"


Russia has Siberia. The Unites States have Alaska. Europe has Finland.

When you first arrive, Finland looks like a normal, pretty, expensive little country. Well, the light and the colours are different, at least in summer. In winter there isn’t really any light. But something else is different here too. It takes you a little while to really notice what – it’s the people.

They don’t look in your eyes. They never greet strangers. They hate small talk. They never interrupt you; it’s as if they’re not listening. Say something nice about their clothes and they’ll tell you how cheap those rags really were. Smile at a passer-by and they’ll think you’re a religious fanatic, on drugs, gay, about to sell them an oriental carpet – or all of the above. You don’t believe me? See for yourself: go to a department store and spend some time in the elevator. Smile, look right into people’s faces and start chatting away. You’ll see their heart rate rise and sweat appear on their brows.

Then again – they just might invite you to their summer cottage for a sauna, which really means getting naked and royally drunk with them and their friends. With Finns is’t sometimes hard to tell whether they hate you or love you.

The secret is simple. The Finnish concept of politeness works differently than in most other countries. In most cultures it’s considered polite to communicate. In Finland it’s polite to leave people alone.

Why bother others with a little joke on a Monday morning? They’re having rough time already, just like you. Why ask your friend how his kids are? If there’s something wrong with them, he’ll tell you, he’s your friend. Why sit next to someone on an almost empty tram and start talking when everyone could travel in peace and quiet? Why surprise someone by ringing their doorbell when you can call a couple of days ahead and warn them of your intended visit? If you come from a country with a hundred million inhabitants you probably talk ten times more than the average Finn. Go easy or you’ll wear them out in no time. You’ll probably stand much too close to people. Give them about 70 centimeters and they’ll feel safe. By the way, have you ever noticed that most Finns can speak while breathing in?

There is so much wisdom in the Finnish way of life: “Life is uncertain so eat your dessert first.” They live in a hostile climate, surrounded by nothing but enemies and hardships, stricken with a language almost no other creature will ever learn… But still, they love their country. And they love to hate it. But you be careful – don’t say “Yes” when they ask you “Isn’t it awful here?” You’re supposed to fall in love with Finland.

Chances are you will. I know I did. You know, the Finns are… they are… let’s say, they are a bit different than your common or garden variety of people. They’re wholesome, if you know what I mean, a bit like their dark bread, the one with the hole in the middle. They’re hard to digest, but very good for you. And they’re eternally grateful when somebody talks about them. So let’s do just that.

Mittwoch, 23. Juni 2010

Grossmami-Tag

Gastbeitrag von Jeanne Rellstab

Nach dem Götti-Tag war natürlich auch ein Tag mit Grossmami geplant. Lange überlegte ich, was ich mit Jonas unternehmen könnte, hatte er doch schon mit seinem Götti ganz besondere Orte besucht.

Aber Jonas hatte einen Wunsch: Er wollte ins Tierlimuseum. So machten wir also unser Picknick bereit und starteten morgens um 9 Uhr in Richtung Stadt. Es galt, Jonas bis um 11 Uhr zu beschäftigen, weil das Museum erst dann öffnete. So spazierten wir zu SOKOS, wo wir zwei Weichen und eine Drehscheibe für die Brio-Eisenbahn erstanden. Das heisst, ich spazierte und Jonas fuhr auf einem Mini-Micro-Trotti. Nach einem Kaffe, bzw. Saft im Bärlicafé machten wir uns auf den Weg zum Harju. Normalerweise bewältigt man diesen Weg in 10 Minuten, wir hatten aber mehr als eine Stunde zur Verfügung. Bei jeder Bank, und es gab ein paar davon, machten wir Halt, Jonas packte seine Weichen und die Drehscheibe aus, spielte damit und packte sie wieder ein.


Die Mücken attackierten uns, sobald wir in den Wald eintauchten, das Antibrumm musste gezückt werden. Es gab zum Glück noch ein paar weitere Attraktionen auf dem Weg auf den Hügel: Forigeli, Jogger, Hunde usw. Alles musste bestaunt und dokumentiert werden. So erreichten wir endlich den Gipfel, wo das Museum um 11 Uhr öffnete.

Wisst ihr, welches Jonas' Lieblingstier war? Der Bär. Wir sahen auch einen riesigen Elch, viele andere ausgestopfte einheimische Tiere, auch Fotos und aufgespiesste Schmetterlinge. Eine Stunde verbrachten wir im Museum und dann führte mich Jonas auf die Aussichtsplattform, wo man über die ganze Stadt schauen kann.


Schon mit einem etwas müden, aber immer noch an allem interessierten Jonas, schlugen wir den Weg zur kleinen Beach am Tuomiojärvi ein. Unterwegs wurde der kleine Bub immer langsamer, so dass wir einen Sandwichhalt einlegen mussten. Dann aber ging es zügig weiter an den See. Und am See stellte er die Frage: „Grossmami, häsch s'Sändelizüg mitgnah?" Ums Gottes Willen, das hatte ich vollständig vergessen. Aber ich entgegnete: „Mit de Händ und mit de Stei und Stäcke chamer au im Sand spile." Und so machten wir es dann. Zwei Stunden spielten wir auf diese Weise und es war überhaupt nicht langweilig, im Gegenteil.




Gegen drei Uhr war es Zeit aufzubrechen und den für einen müden Buben langen Heimweg unter die Füsse, bzw Räder zu nehmen. Zum Glück entdeckten wir unterwegs einen Spielplatz, den es zu erkunden galt.

Zuhause erwarteten uns Susanne und Loris und todmüde sanken Jonas und ich für einen kurzen, späten Mittagsschlaf ins Bett!

Mittwoch, 26. Mai 2010

Göttitag

Gastbeitrag von Alexandre Badoux

Wie bitte? Ihr wisst nicht, was das ist? Der Göttitag (kummisetä päivä) ist in Finnland eine Institution. Das Göttikind (kummilapsi) wird morgens nicht in die Krippe (päiväkoti) gebracht, sondern macht sich mit dem Götti (kummisetä) auf den Weg, die grosse weite Welt zu erobern. (Und ich kann Euch sagen, liebe Leser, Ihr könnt euch unmöglich vorstellen, wie oft wir an diesem schönen Tag mit dem Zug und danach mit dem Jet nach Australien gefahren bzw. gesaust sind!) Hier alle Tagesetappen im Überblick. Begonnen hat der grosse Göttitag auf dem...

1) Spielplatz gleich um die Ecke:
Motto: mit em Zug uf Rovaniemi und uf Auschtralie. Kurz danach blinzelte Jonas auf der Schaukel in die Morgensonne und dem Götti wird klar: auf die verlegte Sonnenbrille kann nicht verzichtet werden.

2) Intersport: Komplettierung der Ausrüstung:
Zum entsetzen von Kind und Mann war der zu. Jonas: "Du Götti, werum macht de Intersport erscht am 10i uuf?"

3) Prisma sei Dank:
Wir finden das Gesuchte, der Bub sieht nun aus wie ein Filmstar, very stylish!


4) Hesburger:
Will de Götti brucht unbedingt en Kafi, für s'Lapsi git's Pulla Nr. 1)

5) Streichelzoo:
De Pfau isch blöd, de Pfau isch blöd und die herzige Chätzli findet mer nöd! Defür hets en andere Zug judihui! Nomal uf Auschtralie, tchuuu tschuuu. Dem Götti gefallen die Frischlinge, Jonas mag die Hasen gut. Doch diese wollen sich partout nicht einfangen lassen.

6) Z'Mittag git's im Mac:
Jaja, mit em Götti liit das drin, Burger, Fritte, es Gschänk und e Pulla Nr.2!

Zu diesem Zeitpunkt wäre der Mittagsschlaf auf dem Programm gestanden. Doch nach Konsultation der übervollen Agenda beschliesst Jonas, diesen zeitlich nach hinten zu verschieben. Der Götti informiert als guter Sekretär s'Mami per Telefon über diese Terminänderung, Jonas legt die Sonnenbrille auf und meint: "Ez gömmer is Flugzügmuseum!" Der Peugeot 107 fliegt über den Asphalt, Kurs nach Norden. Alles klar Herr Kapitän Götti? Aye aye!

7) Das Flugzeugmuseum (Keski-Suomen Ilmailumuseo):
Der Hammer für Kinder und das Kind im Manne. Neben etlichen Flugzeugen aller verschiedenen Dekaden des letzten Jahrhunderts, werden hunderte von Modellen ausgestellt. In drei Cockpits darf man einsteigen. Nach anfänglicher Zurückhaltung ist Jonas begeistert. Der Götti verwandelt sich schnell in den Tankwart der Flugbasis und tausende Liter Kerosin verpuffen in der Atmosphäre.




Nach einer Erfrischung im Museumsshop, wo alte finnische Militärveteranen über die Einkesselung von Naipistööli anno 1939 diskutieren, machen sich Jonas und sein Götti wieder auf den Weg, nämlich zur letzten Etappe, dem...

8) Flughafen Jyväskylä:
Trotz all dieser Action im Museum will das dynamische Duo unbedingt noch Flieger in der Luft (ihrem natürlichen Habitat) beobachten. Zum Regionalflughafen ist es ein Katzensprung. Jonas spielt aber bereits mit seinen Ohren (ein eindeutiges Zeichen für Müdigkeit, wie mir später erklärt wird). Irgendwann wird eben auch das aufgeweckteste Kerlchen mal müde.

Gegen 16 Uhr treffen wir dann glücklich in der Puistokatu ein. Das Schläfchen wird nachgeholt und erste Vorbereitungen für den z'Nacht getroffen. Ein wunderbarer Göttitag neigt sich dem Ende zu. Bei dieser Gelegenheit möchte sich der Kummisetä ganz herzlich für Susanne und Christians Gastfreundschaft bedanken, es war eine ganz tolle Woche in Jyväskylä. Paljon kiitoksia!

Zum Abschluss ein kurzer Exkurs zu den finnischen Wetterkapriolen:

Nun ja, in guter Gesellschaft spielt die Witterung keine Rolle. Darum werde ich mich zu den meteorologischen Wetterphänomenen während meines Aufenthalts in Jyväskylä nicht weiter äussern. Nur soviel: es gab ein wenig von allem, "di tutto un po'". Aber vor und nach meinem Besuch bei den Fischstäblis, da habe ich so einiges erlebt.

Zuerst hat die Mittagssonne in der gleissenden Hitze von Vierumäki mein Gesicht gebräunt (ja gegerbt!) wie jenes von Lawrence of Arabia in der Sahara. Und nota bene trotz grosszügigem Gebrauch von Daylong Sonnencrème. Es war einfach wunderbar, kein Wölkchen am Horizont, der Himmel so blau wie die Finnen in ihren Karaoke Bars oder eben wie das Kreuz in ihrem schönen Nationalwappen. Herrlich!


Zum Abschluss meiner Finnlandferien wurde ich dann grosszügig begossen. Unter anderem auf Suomens schönstem Golfplatz Kytäjä in der Nähe von Hyvinkää (Bild oben). Goretex und Schirm hin oder her, die Nässe drang überall hinein und mir gefällt diesbezüglich die plakative Äusserung meines Spielkollegen Timu ganz besonders: "Alex, the weather is not so good today." Hmm, da konnte ich nur mit einem finnisch knappen "Yes, Timu" antworten. Aber des einen Leid ist des anderen Freud und der fünfte Specht im Lied "5 Spächte" (Marius und die Jagdkapelle; kauft die CD wenn ihr Kinder habt!) würde singen: "Räge isch läss, wers nöd glaubt isch en Chäs!"

Montag, 15. Februar 2010

Nya bekantskaper

(Gastbeitrag von Karin)

Vera hade lite svårt att förstå.
Med vem hon skulle prata vad.
Två mammor.
En pappa.
Fyra barn.
Fyra språk.
Jo, förklarade mamman.
Med pojken ska du prata finska.
Men han pratar ett annat språk.
Med sin mamma.
Och mamman.
Pratar ett annat språk.
Med hans mamma.
Svenska, finska, tyska, engelska.
Blandas friskt.
Förklaringarna var dock överflödiga.
När blygheten släppt.
Behöver barnen inget språk alls.


Alla vet ändå.
När det är dags att hoppa på madrassen.
Banka på fönstret.
Slänga sig ner.
Springa runt runt.


Aron hängde inte alltid med.
I det enorma tempo Vera och Jonas höll.
Inte Loris heller.


Vera vill aldrig åka hem.
Hon ville bara springa, hoppa och brottas.
Med sin nyfunna vän.
Trots att dom blev osams.
Om vem som skulle leka med bebisleksaken.
Trots att dom ibland inte pratade samma språk.
Det gjorde liksom ingenting.
Nästa gång ska vi stanna hela dan.
Bestämde Vera.


Alla språkbarriärer.
Vuxna oroar sig för.
Existerar inte hos barnen.
Men bebisen då.
Undrar Vera.
Vilken språk pratar han.


Bebisspråk.
Svarar mamman.
För att ännu mer komplicera saken.


(Dies ist ein Gastbeitrag von Karin, die mit Susanne zusammen in den Finnischkurs geht. Geklaut von ihrem Blog, aber natürlich mit ihrem Einverständnis. Karin ist Schwedin, verheiratet mit einem Finnen und lebt in Jyväskylä. Sie hat 2 Kinder, Vera und Aaron, und heute waren sie bei uns zu Besuch. Eine wirklich schlechte Übersetzung findest Du hier.)

Dienstag, 27. Oktober 2009

Das finnische Schulsystem

Gastbeitrag (3/3) von Jeanne Rellstab, Notizen von einem Vortrag von Aili Stadler an der Zürcher Mittelstufen Konferenz.

Die Lehrerbildung

In Finnland ist die Lehrerausbildung das Fundament der Schule. Der Lehrerberuf ist der beliebteste Beruf in Finnland (obwohl sehr schlecht bezahlt) und die Lehrpersonen sind hoch angesehen. An der Uni Helsinki wird eine strenge Selektion vorgenommen. 10% der Bewerber für das Studium werden aufgenommen. Das Studium dauert 5 Jahre und schliesst mit dem Master ab. Das Studium ist forschungsorientiert, fertige Lösungen sind nicht gefragt. Wichtig für die Wahl einer Lehrperson ist, dass sie innovativ ist, frischen Wind bringt und teamfähig ist.


Allgemeines
20% der Bildungskosten werden in Finnland für die Kleinsten eingesetzt. Meistens werden die Kinder in Jahrgangsklassen zusammengefasst, auf dem Land bestehen aber auch Mehrjahresklassen. Schulassistenten sind sehr begehrt, und ihnen wird diese Zeit bei der Ausbildung angerechnet. Meistens sind es junge Leute, die kurz nach der Matura stehen. Bei den Lehrpersonen gibt es wenig Wechsel. In der 1. Klasse werden 23 – 24 Lektionen unterrichtet, in der 6. Klasse mehr Lektionen für den gleichen Lohn!

Wie unterrichten die Lehrpersonen?
Sie begleiten die Kinder in ihrem Lernen. Es gibt keine unterschiedlichen Methoden, sondern es wird oft frontal unterrichtet. Man gibt den Kindern die Zutaten, die Zubereitung müssen sie selber machen. „How to learn“ ist wichtig! Der Unterricht ist eher etwas langweilig, es werden eigenständiges Lernen und Projektarbeit mit Unterstützung vermittelt.



Einheitliches Schulsystem
In Finnland herrscht freie Schulwahl. Es gibt keine Schulpflicht, sondern eine Lernpflicht und die Kinder besuchen während 9 Jahren die gleiche Schule. Von der Regierung wird nur ein Rahmenlehrplan vorgeschrieben. Die Bildung beginnt mit 2 Jahren, mit 7 Jahren wird eingeschult, aber ein freiwilliges Vorschuljahr wird empfohlen. Die Schulen sind sehr unterschiedlich und wie eine Firma organisiert, allerdings mit dem Rahmen, den der Staat vorgibt. Das leitende Team (Eltern, Lehrperson, Schulleiter, Abwart, schulische Heilpädagogen, Rektor usw.) bestimmt das Programm. Die Eltern bezahlen einen Beitrag gemäss ihrem Einkommen

Einheitliches Evaluationssystem
Die Schulen evaluieren sich selbst und zwar auf mehreren Ebenen wie Mathematik, Sprache usw. Zusätzlich werden landesweite Befragungen über die Schulzufriedenheit durchgeführt. Für die Evaluation eines einzelnen Schülers gibt es Bewertungsstandards, die im ganzen Land die gleichen sind. Es gibt keine Schulaufsicht. Gesundheit, Soziales, Zufriedenheit bei Lehrpersonen und Schülern werden jährlich überprüft. Die gleichen Fragen werden von der Vorschule bis zur Maturität gestellt, auch bei Eltern und Lehrpersonen. Wenn etwas nicht stimmt, wird schnell reagiert.

Integrative Förderung
Die Früherfassung von Lernschwierigkeiten ist wichtig! Ab dem Kleinkindalter werden Reihenuntersuchungen durchgeführt und bei Bedarf möglichst früh mit Therapien begonnen. Die Heilpädagogische Förderung ist der Schlüssel zum Erfolg, und zwar folgendermassen: Alle Kinder werden möglichst in Regelklassen integriert, ev. Klassen übergreifend während 3 Monaten in Gruppen zusammengefasst. Dies kann bei Bedarf verlängert werden, ev. gibt es eine Lehrzielanpassung.
Die Lehrbücher sind unterschiedlich gestaltet. Für langsamere Schüler gibt es die gleichen Bücher mit gleichem Inhalt und Seitenzahlen, aber mit grösserer Schrift und vereinfachtem Inhalt. Die Kinder müssen die Grundschule bestehen. Die Schule passt sich an das Kind an, nicht umgekehrt und die Therapeuten kommen in die Schule.

Freitag, 16. Oktober 2009

Dohlen

Gastbeitrag (2/3) von Jeanne Rellstab, die heute leider wieder zurück in die Schweiz geflogen ist.

Am Abend, vor dem Eindunkeln, versammeln sich auf dem Dach gegenüber der Wohnung der Fischstäblis die Dohlen. Zuerst sitzen dort nur ein paar, dann schwirren neue Schwärme heran, dicht über das Dach der Wohnung, von links, von rechts.


Am Schluss sind Hunderte von Dohlen versammelt, streiten, schwatzen, flattern, fliegen hoch, setzen sich wieder und fliegen schliesslich weiter zu einem anderen Dach. Sie fliegen alle miteinander hoch, drehen noch ein paar Runden über der Stadt und verschwinden dann, um sich nachher gemeinsam zu ihren Schlafplätzen zu begeben. Wohin wohl? Wir vermuten, dass sie in den Bäumen des Parks bei der Kirche übernachten, denn dort schwirrte, flatterte und zwitscherte es, als wir eines Abends aus der Pizzeria kamen.


Mittwoch, 14. Oktober 2009

Wanderung im Leivonmäki

Gastbeitrag (1/3) von Jeanne Rellstab

Am Mittwoch packten Christian und Jeanne den Rucksack mit einem feinen Picknick, heissem Tee und etwas Schokolade. Wir hatten vor, den Nationalpark
Leivonmäki von der anderen Seite (Kirveslampi) in Angriff zu nehmen. Das Wetter war schön, aber sehr kalt und es wehte ein starker Wind, der uns die Temperatur noch kälter fühlen liess.

Das Auto stellten wir auf einem Parkplatz am Rand des Parkes ab, packten uns warm ein mit zwei Jacken, Handschuhen und Mützen, schulterten die Rucksäcke und marschierten los. Es ging über Entenstege, durch lichte Föhrenwälder, an goldenen Birken vorbei, durch Moore, am Ufer von zum Teil gefrorenen Seen, durch einen wunderschönen Park im Herbstgewand. Pilze standen tief gefroren im Moos, Preiselbeeren leuchteten, Heidelbeeren luden zum Naschen ein, auch sie leider kalt und gefroren. Einige Vögel zwitscherten in den Bäumen, wie sich herausstellte, Hauben- und Kohlmeisen. Wie sie wohl den kalten Winter überstehen werden?


Als sich der Hunger meldete, suchten wir uns einen windstillen, sonnigen Ort, setzten uns auf den Boden und verzehrten unsere Sandwiches und tranken den Tee, der fast augenblicklich abkühlte, wenn man den Becher nicht sofort leerte. Frisch gestärkt ging es weiter auf dieser grossen Runde, diesmal über eine Torfwiese mit jungen Kiefern und einigen Teichen.


Auf dem Wasser hatte sich schon Eis gebildet, vor allem an den Ufern. Christian zog ein Stück Eis aus dem Wasser und so konnten wir sehen, dass es schon etwa 7 mm dick war.


Die Sonne neigte sich immer mehr dem Horizont zu, obwohl erst früher Nachmittag war, die Stimmung und die Beleuchtung wurden immer schöner. An windgeschützten Orten spiegelten sich die Wälder in ihren goldenen Farben im Wasser. Staunend marschierten wir weiter und blieben unzählige Male stehen, um zu fotografierten.


Nach vier Stunden erreichten wir, wieder über die altbekannten Entenweglein, das Auto und freuten uns auf dessen Heizung. Christian nahm einen anderen Weg nach
Jyväskylä zurück. Bei der grossen Brücke über den Päijänne stiegen wir aus und liefen bis zur Mitte der Brücke, von wo uns eine herrliche Aussicht über den See und unzählige Inseln erwartete. Der Wind blies stark und eiskalt und zwang uns wieder zurück zu gehen. Halb erfroren stiegen wir zum zweiten Mal ins Auto.


Zurück in Jyväskylä holten wir Jonas im Päiväkoti ab, kauften das Nachtessen ein und fuhren an die Puistokatu, wo uns Susanne und Loris erwarteten. Wie schön war es, in eine geheizte Wohnung zu kommen und etwas Warmes zu essen.