Gastbeitrag von Alexandre Badoux
Wie bitte? Ihr wisst nicht, was das ist? Der Göttitag (kummisetä päivä) ist in Finnland eine Institution. Das Göttikind (kummilapsi) wird morgens nicht in die Krippe (päiväkoti) gebracht, sondern macht sich mit dem Götti (kummisetä) auf den Weg, die grosse weite Welt zu erobern. (Und ich kann Euch sagen, liebe Leser, Ihr könnt euch unmöglich vorstellen, wie oft wir an diesem schönen Tag mit dem Zug und danach mit dem Jet nach Australien gefahren bzw. gesaust sind!) Hier alle Tagesetappen im Überblick. Begonnen hat der grosse Göttitag auf dem...
1) Spielplatz gleich um die Ecke:
Motto: mit em Zug uf Rovaniemi und uf Auschtralie. Kurz danach blinzelte Jonas auf der Schaukel in die Morgensonne und dem Götti wird klar: auf die verlegte Sonnenbrille kann nicht verzichtet werden.
2) Intersport: Komplettierung der Ausrüstung:
Zum entsetzen von Kind und Mann war der zu. Jonas: "Du Götti, werum macht de Intersport erscht am 10i uuf?"
3) Prisma sei Dank:
Wir finden das Gesuchte, der Bub sieht nun aus wie ein Filmstar, very stylish!
4) Hesburger:
Will de Götti brucht unbedingt en Kafi, für s'Lapsi git's Pulla Nr. 1)
5) Streichelzoo:
De Pfau isch blöd, de Pfau isch blöd und die herzige Chätzli findet mer nöd! Defür hets en andere Zug judihui! Nomal uf Auschtralie, tchuuu tschuuu. Dem Götti gefallen die Frischlinge, Jonas mag die Hasen gut. Doch diese wollen sich partout nicht einfangen lassen.
6) Z'Mittag git's im Mac:
Jaja, mit em Götti liit das drin, Burger, Fritte, es Gschänk und e Pulla Nr.2!
Zu diesem Zeitpunkt wäre der Mittagsschlaf auf dem Programm gestanden. Doch nach Konsultation der übervollen Agenda beschliesst Jonas, diesen zeitlich nach hinten zu verschieben. Der Götti informiert als guter Sekretär s'Mami per Telefon über diese Terminänderung, Jonas legt die Sonnenbrille auf und meint: "Ez gömmer is Flugzügmuseum!" Der Peugeot 107 fliegt über den Asphalt, Kurs nach Norden. Alles klar Herr Kapitän Götti? Aye aye!
Der Hammer für Kinder und das Kind im Manne. Neben etlichen Flugzeugen aller verschiedenen Dekaden des letzten Jahrhunderts, werden hunderte von Modellen ausgestellt. In drei Cockpits darf man einsteigen. Nach anfänglicher Zurückhaltung ist Jonas begeistert. Der Götti verwandelt sich schnell in den Tankwart der Flugbasis und tausende Liter Kerosin verpuffen in der Atmosphäre.
Nach einer Erfrischung im Museumsshop, wo alte finnische Militärveteranen über die Einkesselung von Naipistööli anno 1939 diskutieren, machen sich Jonas und sein Götti wieder auf den Weg, nämlich zur letzten Etappe, dem...
8) Flughafen Jyväskylä:
Trotz all dieser Action im Museum will das dynamische Duo unbedingt noch Flieger in der Luft (ihrem natürlichen Habitat) beobachten. Zum Regionalflughafen ist es ein Katzensprung. Jonas spielt aber bereits mit seinen Ohren (ein eindeutiges Zeichen für Müdigkeit, wie mir später erklärt wird). Irgendwann wird eben auch das aufgeweckteste Kerlchen mal müde.
Gegen 16 Uhr treffen wir dann glücklich in der Puistokatu ein. Das Schläfchen wird nachgeholt und erste Vorbereitungen für den z'Nacht getroffen. Ein wunderbarer Göttitag neigt sich dem Ende zu. Bei dieser Gelegenheit möchte sich der Kummisetä ganz herzlich für Susanne und Christians Gastfreundschaft bedanken, es war eine ganz tolle Woche in Jyväskylä. Paljon kiitoksia!
Zum Abschluss ein kurzer Exkurs zu den finnischen Wetterkapriolen:
Nun ja, in guter Gesellschaft spielt die Witterung keine Rolle. Darum werde ich mich zu den meteorologischen Wetterphänomenen während meines Aufenthalts in Jyväskylä nicht weiter äussern. Nur soviel: es gab ein wenig von allem, "di tutto un po'". Aber vor und nach meinem Besuch bei den Fischstäblis, da habe ich so einiges erlebt.
Zuerst hat die Mittagssonne in der gleissenden Hitze von Vierumäki mein Gesicht gebräunt (ja gegerbt!) wie jenes von Lawrence of Arabia in der Sahara. Und nota bene trotz grosszügigem Gebrauch von Daylong Sonnencrème. Es war einfach wunderbar, kein Wölkchen am Horizont, der Himmel so blau wie die Finnen in ihren Karaoke Bars oder eben wie das Kreuz in ihrem schönen Nationalwappen. Herrlich!

Zum Abschluss meiner Finnlandferien wurde ich dann grosszügig begossen. Unter anderem auf Suomens schönstem Golfplatz Kytäjä in der Nähe von Hyvinkää (Bild oben). Goretex und Schirm hin oder her, die Nässe drang überall hinein und mir gefällt diesbezüglich die plakative Äusserung meines Spielkollegen Timu ganz besonders: "Alex, the weather is not so good today." Hmm, da konnte ich nur mit einem finnisch knappen "Yes, Timu" antworten. Aber des einen Leid ist des anderen Freud und der fünfte Specht im Lied "5 Spächte" (Marius und die Jagdkapelle; kauft die CD wenn ihr Kinder habt!) würde singen: "Räge isch läss, wers nöd glaubt dä isch en Chäs!"