Donnerstag, 31. Juli 2008

Leivonmäki

Heute hatten wir alle frei und die Wetterprognose war prächtig, so haben wir uns zum 50 km südlich gelegenen Nationalpark Leivonmäki (Leivonmäen kansallispuisto) aufgemacht. Dort angekommen, haben wir Jonas in seinen Tragrucksack gesetzt und sind losgewandert. Der Wanderweg ging durch einen prächtigen und verlassenen Wald, entlang dem Rutajärvi, und bog dann ab zur Joutsniemi. Niemi bedeutet Halbinsel, wobei man in diesem Fall eher von einer Landzunge sprechen kann. 


Schliesslich stoppten wir an einem Lagerfeuerplatz (natürlich mit WC und schon bereitgestelltem Holz) mit Sandstrand. Dort verbrachten wir fast 3 Stunden mit Picknicken, Sand- und Wasserspielen. Nur ab und zu gestört von Mücken, Bremsen und "Blackflies", die immer dann auftauchten, wenn der Wind nachliess. Es scheint so, wie wenn diese fiesen Insekten lieber Erwachsenenblut haben, Jonas liessen sie meist in Ruhe. Zum Glück aber gibt's Anti-Brumm.


Irgendwann war uns Junior sehr müde, und wir machten uns auf den Rückweg. Dabei schlief Jonas das erste Mal in seinem Tragrucksack ein, über die Technik sind wir uns noch jetzt im Unklaren, auf jeden Fall hat er sich dabei gut erholt. Weil er so fest weinen musste, als wir den Sandstrand verliessen, gingen wir (wie versprochen) an einem der "Stadtstrände" erneut baden und spielen. Unglaublich, wie lange und wie intensiv sich ein 18 Monate alter kleiner Junge mit Sand und Wasser vergnügen kann.


Nach 10 Stunden Natur haben wir uns zum Abschluss dieses wunderschönen Sommertages (26°C) eine Pizza in unserer neuen Stammpizzeria gegönnt. So könnte von uns aus jeder Tag sein! Und wir haben ein weiteres grosses Plus unserer neuen Heimat entdeckt: Wo man auch hingeht hat es praktisch keine Leute, die Ruhe und Einsamkeit (positiv gemeint) sind einmalig.

Dienstag, 29. Juli 2008

On the road


Autofahren in Finnland ist genau gleich wie in der Schweiz - aber eben doch ganz anders.

Das Auffallendste hier in Mittelfinnland: Es hat keinen Verkehr. Christian's Arbeitskollege Anssi zum Beispiel spricht schon von "Traffic Jam", wenn 5 Autos vor dem Rotlicht stehen. Grundsätzlich hat man auch in der Stadt (und sowieso ausserhalb) praktisch immer freie Fahrt - nur am Freitag und Sonntag Abend sind ein paar Autos mehr unterwegs, die Millionen Sommerhäuschen sind halt vom öffentlichen Verkehr nicht wirklich erschlossen. In der Innenstadt gibt es auch immer Parkplätze, nur sind die echt teuer.

Der grösste Unterschied zur Schweiz ist der häufig vorkommende Rechtsvortritt. Wenn nicht anders markiert, gilt er. Dies kann zu recht gefährlichen Situationen führen. Genauso wie die Regel, dass Fussgänger keinen Vortrittt haben - ausser man biegt rechts ab... Trotzdem, der Autor dieses Texts (eigentlich ohne Benzin im Blut) muss zugeben, dass das Überlandfahren hier schon seinen Reiz hat. Am frühen Morgen oder gegen Abend bei blauem Himmel durch verlassene Wälder und zwischen unzähligen Seen hindurchkurven - das macht Spass und man sieht extrem viel. Die Finnen sind auch sehr friedliche Autofahrer - rasen praktisch nicht und werden auch nicht aggressiv. In 2 Monaten haben wir erst ein Mal ein Hupen gehört - in Zürich hört man das an jeder 2. Kreuzung.

Ach ja - für unsere Herbstbesucher - Sonnenbrille ist ein Muss hier, bei diesem tiefen Sonnenstand sieht man zum Teil nichts.

Unserem nationalbankgoldenen Peugeot geht es übrigens bestens - er dreht problemlos seine Runden und bleibt dank dem vielen Regen (allerdings letztes Mal vor einer Woche gesehen, wir erleben hier die besten Tage des Sommers!) auch schön sauber :-)

Montag, 28. Juli 2008

Sonntag, 27. Juli 2008

Kesä

Endlich ist der Sommer auch hier in Jyväskylä (für mehrere Tage am Stück) angekommen! Christian hat davon zwar nicht allzu viel, weil er ausgerechnet von Freitag bis Sonntag in Konnevesi arbeiten muss; bad luck. Und auch Jonas durfte am Freitag nur kurz die Füsse im See baden, schliesslich hatte er über Nacht noch Fieber und die Erkältung ist auch noch nicht ganz weg. Dafür gingen er und Susanne im Hafen von Jyväskylä "bo" (Boote resp. Schiffe) anschauen, was ihn etwas versöhnte. Am Abend gab's dann bei strahlendem Sonnenschein noch einen Familienausflug zum nahe gelegenen Ententeich, sehr zur Freude von Jonas, der noch überhaupt keine Lust hatte, ins Bett zu gehen. 


Ja, und ansonsten gab's familienintern wie gesagt zwei Programme: Christian schuftete (durfte dafür aber am Abend wenigstens noch in die Sauna und anschliessend in den See), Jonas und Susanne klapperten die verschiedenen Badestrände ab und verbrachten Stunden im angenehm kühlen Wasser beim Burgen bauen, Steine versenken und planschen. Und natürlich durfte auch ein feines Pick-Nick (mit den unglaublich feinen finnischen Erdbeeren) nicht fehlen, der Körper braucht ja schliesslich Energie. 


Und so schön gelegen ist übrigens Christian's Arbeitsplatz (Foto von einem der Badestrände aus aufgenommen).

Dienstag, 22. Juli 2008

Regentage

In den letzten 2 Tagen hat es nur einmal geregnet, und zwar ohne Unterbruch. Zeit genug also, die Sonnenbrillen zu testen, denn die Wetterprognose für den Rest der Woche sieht toll aus!


Jonas ist schon fast wieder gesund, hat aber leider inzwischen Susanne angesteckt. Wir hoffen, dass sie bald wieder fit und munter wird. 2 Monate blieben wir keimfrei, und kaum geht Jonas wieder zur Krippe, sind die Seuchen wieder da. 

Samstag, 19. Juli 2008

Sommer

Heute waren bei Meiers zu einer Bootstour eingeladen! Den ganzen Tag war es wunderschönes Wetter, bei Windstille sogar heiss, einfach perfekt. Am Morgen sind wir zu ihnen gefahren, und sogleich ging es mit den 4 kleinen Kindern ins Boot und hinaus in die finnische Seenlandschaften. 


Jonas, leider nicht ganz gesund, ist sofort in den Armen seines Vaters eingeschlafen und hat vom ersten Teil der Reise trotz Motorenlärm und Tankstopp gar nichts mitbekommen. Die Fahrt war eindrücklich, Natur pur und überall toll gelegene Sommerhäuschen. Weil sich der Bootsmotor merkwürdig verhielt, haben wir aus Sicherheitsgründen unsere ursprünglichen Pläne geändert und sind nicht weit weg gefahren. 


Auf einer nahe gelegenen Insel haben wir dann gehalten und A-Würste gebraten (inzwischen haben wir herausgefunden, dass nur Würste mit einem A auf der Verpackung einen einigermassen akzeptablen Anteil Fleisch enthalten, die anderen sind schlicht scheusslich). 3 gut angetrunkene Finnen haben sich zu uns gesetzt, ihr Englisch und Deutsch geübt und richtig schlecht Trinklieder gesungen (ungewollt 3-stimmig). Sie waren aber keineswegs aufdringlich und sind auch bald wieder weitergezogen. Auf der Insel hatte es übrigens eine Sauna (von der die Männer gekommen sind), alles gratis und für jedermann.


Irgendwann mussten wir feststellen, dass alle 4 Kleinen extrem müde waren, und so sind wir zurück zum Haus der Familie Meier gefahren und haben den ganzen Nachmittag mit Schwimmen und Spielen verbracht. Endlich Sommerferien-Feeling! Und natürlich sind wir auch zum abendlichen Grillieren geblieben. Um 19:50 war das letzte der 4 Kinder im Bett (es muss ein anstrengender Tag gewesen sein...) und die Erwachsenen konnten sich endlich in die Sauna setzen und die Ruhe geniessen. Mit einem See gleich nebenan und einem Bier in der Hand macht Sauna richtig Spass.


Die Ruhe war dann nur von kurzer Dauer, denn nach der ersten Runde Sauna ist Jonas erwacht und liess sich nicht mehr beruhigen - der Arme hatte mit Schnupfen und Husten zu kämpfen. So haben wir ihn halt auch runter zum See genommen und sind dann bald wieder nach Hause gefahren. Es war ein toller Tag und wir haben wieder für den 1. August abgemacht (im Ausland wird man ja noch patriotisch - oder brauchen wir einfach ein Grund zum Feiern?). Auf der Rückreise in die Stadt sind wir schon etwas melancholisch geworden, weil wir gemerkt haben, dass es wieder dunkler wird in der Nacht (aber immer noch viel heller als in der Schweiz). An die langen Tage haben wir uns schon gewöhnt und sie auch schätzen gelernt.

Donnerstag, 17. Juli 2008

Baabuppa

Wir haben eine neue Wohnung gefunden! Seit Mittwoch Abend ist es klar, wir werden Mitte August an die Puistokatu 10 A ziehen. Die Wohnung liegt sozusagen im Zentrum von Jyväskylä (300 m zum Bahnhof, etwa die Hälfte zu den Bars...) und ist sage und schreibe 120 m2 gross. Sie hat 4 Zimmer, 2 Balkone, 2 WCs, ein "Bad" (Badewannen gibt's hier kaum), eine mittelgrosse Küche und eine kleine Grümpelkammer. Das Prunkstück ist das Wohnzimmer, geschätzte 50-60 m2 gross. Wir sind total happy, dass wir bald unser eigenes Heim einrichten können. Ein paar Nachteile hat die Wohnung schon: Sie ist nicht gerade billig und nicht wirklich dort gelegen, wo wir wollten (mehr im Grünen). Aber eine richtige Wahl hatten wir nicht und wir verdienen genug, um das Ganze zu finanzieren. Ausserdem renovieren sie im Moment das Äussere des Gebäudes, wir hoffen aber, dass Sie bis September praktisch fertig sind. Mal schauen. Wir sind also bereit und haben genug Platz für unsere künftigen Gäste!

Besitzer der Wohnung sind Paula und Pekka, die früher mal dort gelebt haben, aber letztes Jahr, als die Kinder ausgeflogen sind, in ein kleineres Heim gezogen sind. Für ein Jahr haben dort 4 finnische Rocker ("huge guys with black t-shirts, but really nice") gelebt. Die Wohnung war während der Besichtigung auch dementsprechend eingerichtet, auch die Cannabis-Pflänzchen durften nicht fehlen (aber gut versteckt). Nächsten Montag treffen wir uns bei Paula und Pekka im Kesämökki (Sommerhaus), um zusammen in die Sauna zu gehen und über die Details zu reden. Finnischer geht's nicht mehr. Weil sie uns so lieb finden (und sie sind es auch), waren sie sogar bereit, über den Mietzins zu diskutieren. Zusätzlich haben sie Möbel für uns, und haben auch schon deswegen ihre ganze Bekannt- und Verwandtschaft angerufen. Wir versuchen sie schon zu bremsen...


Zum weiten Mal hat heute Katja-Riika (was für ein schöner Name) bei uns übernachtet. Sie arbeitet mit Christian zusammen, wohnt aber in Helsinki, und braucht ab und zu ein Bett. Jonas liebt Katja-Rikka, denn sie schaut mit ihm Büchlein auf Finnisch an. Er findet das sehr lustig und versucht alles nachzusagen. Bald werden wir ihn wohl nicht mehr verstehen. Tun wir eigentlich auch jetzt nicht immer, hat er doch zum Teil seine eigene Sprache entwickelt. Hier einige Beispiele, die wir verstehen:
  • "Plla" - Pulla 
  •  "Tiia" - Tiger
  • "Kita" - Kiitos
  • "Pukan" - Tukan
  • "Ti-ta-uuuh" Ticktack-Uhr
  • "Hwä" - hyvä
  • "Mama kukka" - Mama eine Blume bringen
  • "Huu huu"ein kleines Gespenst auf den Finger malen, bitte
und hier unser absoluter Liebling:
  • "Baabuppa" - Rice Crispies (Melodie genau wie das Original, aber einfach andere Buchstaben benützen)

Montag, 14. Juli 2008

Auringonlasku

Montag Abend, 23:02, vor unserem Haus. Einmal mehr ein magischer Sonnenuntergang.




Kleine Quizfrage (hat nichts mit dem Bild zu tun): Was heisst wohl Klebeband auf Finnisch?

Sonntag, 13. Juli 2008

Jede Sunntig mached mir im putzte Auto...

... es Fährtli über Land. Ja, am Sonntag war dann ein Pick-Nick am Strand angesagt. Wir wollten eigentlich einmal einen neuen Ort aufsuchen, landeten dann aber doch wieder an Susanne und Jonas' Beach am Tuomiojärvi. Grund: die Zufahrten zu den Badeplätzen sind nicht wirklich einfach zu finden und da wir befürchten, dass sich die Sonne bald wieder verabschieden würde (was dann glücklicherweise nicht der Fall war), hielten wir uns ans Altbewährte. Christian nahm ein kurzes Bad im See und auch Jonas wagte sich etwas weiter vor...  


Im Anschluss daran spazierten wir noch etwas weiter dem See entlang und stiessen auf zwei weitere, grössere Sandstrände. Da kam schon beinahe Badifeeling auf, inkl. Glace (wobei Jonas diesen Teil verschlief, Pech gehabt)!


Zum Abschluss fuhren wir dann noch zur potentiellen neuen Fischstäbli-Wohnung im Zentrum von Jyväskylä, wo wir uns die Umgebung etwas näher anschauten und Jonas den Spielplatz testen liessen. Und natürlich gab's zu Hause dann noch die traditionelle Sonntagspizza (nach Jonas "papa pizza"), mmmh. 

Samstag, 12. Juli 2008

Tori

Nach eineinhalb Monaten haben wir es endlich geschafft und den Markt (Tori) in Jyväskylä besucht. Ein wenig romantischer und grösser haben wir ihn uns schon vorgestellt, aber es ist halt wie vieles hier in Finnland (ganz nach Alvar Aalto): gut aussehen muss es nicht, praktisch muss es sein. Und es gibt auch hauptsächlich nur drei Arten von Ständen: Kaffe/Pulla (mmmhhh), Blumen und Gemüse. Wobei die Gemüsezusammenstellung lecker aussieht und bei allen genau gleich ist. Momentan ist Erdbeeren- und Erbsen- Saison. Die Finnen essen die Erbsen übrigens gleich roh nach dem Kauf.


Wir haben es uns gemütlich gemacht, Gebäck und Kaffee genossen, und wie immer Jonas die Umgebung erkunden lassen.



Am Nachmittag wollten wir uns eigentlich das spektakuläre Jyväskylä Sommerfest (Jyväskylän kesä) anschauen gehen (nach einer kurzen Schaukel-Session, siehe unten), aber in der Fussgängerzone war gar keine Spur von den gross angekündigten Strassenkünstlern. Vielleicht kommen die ja am Sonntag, vielleicht war das Wetter zu schlecht, vielleicht waren wir ja einfach falsch informiert. Als Ersatz sind wir einen Aperitif trinken gegangen, und weil wir zu faul waren zum Kochen, haben wir auch gleich auswärts und draussen gegessen. Susanne ist dann später noch mit unseren Schweizer Freunden in den Ausgang gegangen - es wurde sehr spät...

Freitag, 11. Juli 2008

Nicht viel los, aber 200 Fische im Netz

Wie Ihr vielleicht gemerkt habt, war bei uns in letzter Zeit nicht viel los. Das Wetter pendelte zwischen akzeptabel und schlecht (am Montag war es noch 11 Grad warm), ab und zu zeigte sich Finnland doch für einen halben Tag von seiner wunderschönen sonnigen Seite. Ausserdem musste Christian viel arbeiten. Alle Finnen beklagen sich über den miesen Sommer, aber noch ist der ja noch nicht vorbei. Immerhin ist es inzwischen wieder warm geworden.

Es war auch die Woche, wo Susanne wieder voll zu arbeiten begonnen hat und Jonas erstmals richtig zur Krippe (Päiväkoti) ging. Am ersten Tag ging es sehr gut, am zweiten nach einigen Anfangsschwierigkeiten (hat da Frühstück verweigert) anscheinend auch ziemlich. Wir sind froh, dass inzwischen Ulla, die Chefin von Jonas' Gruppe, aus den Ferien zurück ist, denn sie kann Deutsch und wir können uns nun austauschen. In der Probewoche war es nicht ganz einfach, weil die anderen Betreuerinnen nur ein paar Brocken Englisch können.

Christian war praktisch jeden Tag in Konnevesi und hat mit seinen eigentlichen Probenahmen begonnen. Donnerstag/Freitag war er auch über Nacht dort und konnte wieder einmal das Lieblingshobby der Finnen, Sauna, ausüben. Schon schön, wenn man am Ende eines 15h Arbeitstages ein wenig schwitzen, um Mitternacht in den See springen und dann müde ins Bett plumpsen kann.


Am Donnerstag Abend setzten wir auch etwa 150 m Kiemennetze in den See, und hofften, wenigstens ein paar Fische zu fangen. Die Überraschung am nächsten Morgen war dann gross, als etwa 200 Fische in den Netzen zappelten (v.a. Rotaugen, Egli, Lauben und ein grosser Hecht, der wohl dummerweise einen gefangenen Fisch angreifen wollte). Sofort machten wir uns an die Arbeit, schliesslich sind wir an den Parasiten in den Augen interessiert. Wir waren ja schon sehr stolz auf unseren Erfolg, aber für einen Freitag war es dann doch ein wenig viel Arbeit... Wir mussten einen Teil der Fische einfrieren, um sie nächste Woche zu untersuchen.


Unten seht Ihr noch ein Bild der Stromschnelle in Konnevesi. Ein wirklich toller Ort mit vielen verschiedenen Vogelarten, die sich über und um den Fluss herum bewegen. Richtige Flüsse haben wir bis jetzt in Finnland nicht gesehen. Entweder fliessen sie so langsam, dass man sie mit einem See verwechselt, oder es handelt sich einfach um eine Stromschnelle zwischen 2 Seen, meist nur wenige hundert Meter lang (wie im Falle von Konnevesi).

Mittwoch, 9. Juli 2008

Puhutko sinä suomea?

Eigentlich sollten wir uns ja nicht beklagen. Unser Freund Stefan ist nach Taiwan ausgewandert, macht dort nichts anderes als Chinesisch lernen, und kommt nur ganz kleine Schrittchen vorwärts. Aber trotzdem, die finnische Sprache ist extrem schwierig, und es wird wohl Jahre dauern, bis wir ein richtiges Gespräch führen können.

Es gibt mehrere Gründe, warum das so ist (Liste nicht komplett).

Erstens ist die finnische Sprache überhaupt nicht verwandt mit irgendwas, was wir auch nur entfernt verstehen. Nur die Esten behaupten, Finnisch verstehen zu können. Zwar sind viele moderne Wörter fast gleich (taksi, hotelli, helikopteri, huumori, gangsteri), aber dann gibt es eben auch solche wie mielenkiintoinen (interessant), nykyaikainen (modern), koira (Hund), asianajaja (Anwalt) und sydämenlyönti (Herzschlag). Es bleibt einem nichts anderes übrig, als diese Wörter knallhart auswendig zu lernen.

Zweitens: Die Wortstämme. Jedes Wort hat seinen Wortstamm (Genitivstamm), und dieser wird benützt, um das Wort in allen anderen Formen als dem Nominativ zu benützen. Zum Teil ist der Genitivstamm genau gleich wie der Nominativ, aber häufig sieht man dem Wortstamm kaum mehr an, um welches Wort es sich handelt. D. h. jedes Wort, das man lernt, ist eigentlich nicht viel Wert, wenn man nicht auch gleichzeitig den Genitivstamm kennt. So heisst die Hauptstadt von Finnland zwar Helsinki, "in Helsinki" aber Helsingissä, nur um ein einfaches Beispiel zu bringen. Übrigens hat das zur Folge, dass unser Langenscheidt Wörterbuch praktisch unbrauchbar ist, da er nur den Nominativ angibt, und der ist die Ausnahme.

Drittens: Die Fälle... Im Finnische gibt es zwar keinen Dativ und keinen Akkusativ, dafür Nominativ, Genitiv, Partitiv, Genitiv-Akkusativ, Nominativ-Akkusativ, Inessiv, Elativ, Illativ, Adessiv, Ablativ, Allativ, Essiv und Translativ (vielleicht ja noch mehr, kein Gewähr). Wobei man dazu sagen muss, dass die Finnen keine Präpositionen kennen, dafür wird ein Fall benützt und eine Endung angehängt (Jyväskylässä = in Jyväskylä, suomeksi = auf Finnisch). Diese Fälle an sich gehen ja noch, aber jeder dieser Fälle wird wieder anders gebildet, je nach Wortstamm...

Viertens: 6 verschiedene Verbtypen gibt es in dieser Sprache, und gemeinerweise ist die Konjugation dieser Verbtypen extrem ähnlich, aber eben doch verschieden.

Fünftens: Die Umgangssprache und Dialekte. Meint man dann, man könne etwas, wird man gleich wieder enttäuscht, denn in der Umgangssprache wird alles abgekürzt und man versteht wieder nichts mehr.

Und gibt's auch was Einfaches? Ach ja, die Aussprache ist für uns Deutschschweizer extrem einfach. Ganz normal lesen und immer die erste Silbe betonen. Die Zahlen sind viel einfacher als in anderen Sprachen. Und die Finnen können sehr gut Englisch :-)

Und so sieht dann zum Beispiel ein Mail aus, das Christian so üblicherweise an der Uni bekommt (es handelt sich um irgendwas Administratives, keine Ahnung):


Yliopistoallianssin tutkimuksen kärkihankkeet valittu


Jyväskylän yliopiston, Tampereen teknillisen yliopiston ja Tampereen yliopiston muodostaman Yliopistoallianssin ensimmäisen vaiheen kärkitutkimushankkeet on valittu. Allianssi rahoittaa yliopistojen rehtoristojen esityksestä 13 hanketta noin neljällä miljoonalla eurolla vuosina 2008-2009.


- Allianssin tutkimusyhteistyö lähtee liikkeelle korkeatasoisilla kärjillä. Nyt tehdyt rahoituspäätökset merkitsevät toiminnan aloitusta, ja päätökset jatkotoimista tehdään tulosten perusteella. Allianssissa on varauduttu myös uusien hankkeiden käynnistämiseen ensi vuonna, rehtorit Aino Sallinen, Jarl-Thure Eriksson ja Krista Varantola kertovat.


Hankkeet kokoavat yhteen kolmen yliopiston tutkimuksellisen huippuosaamisen allianssin painopiste-alueilla. Hankkeissa tähdätään monialaisen osaamisen yhdistämiseen sekä aiempaa kansainvälisempien ja korkeatasoisempien tutkimus- ja oppimisympäristöjen luomiseen

yhteisten toimintojen avulla.


Rehtorit toteavat monien nyt valittujen tutkimusryhmien työskentelevän tieteen kansainvälisessä eturintamassa tai sen välittömässä läheisyydessä. Yhteistyö ja lisärahoitus lisäävät merkittävästi tutkimusryhmien kilpailukykyä. Hankkeilla pyritään vastamaan myös keskeisiin yhteiskunnallisiin haasteisiin terveyden, teknologian ja inhimillisen osaamisen ja hyvinvoinnin alueilla.


Hankkeissa tutkitaan muun muassa lääketieteellistä teknologiaa, ihmisen ja teknologian vuorovaikutusta, kestävää energiaa, nanotason ilmiöitä, tieteellisiä menetelmiä, digitaalista ympäristöä, oppimista, työtä ja hyvinvointia sekä vanhenemista.


Rahoitus osoitetaan hankkeiden koordinoinnista vastaaville yliopistoille ja jaetaan osallistuvien yliopistojen kesken niiden osallistumispanoksen suhteessa.


Na dann guet Nacht am Sächsi.

Sonntag, 6. Juli 2008

Ein paar Tipps für unsere Blogleser

Unser Blog scheint ja gut anzukommen, und daher machen wir weiter und versuchen weiterhin, ihn einigermassen aktuell zu halten. Hier noch ein paar Tipps:
  1. Wenn man auf das Foto klickt, erscheint die grosse Version.
  2. Neu haben wir unter "Links" eine "Google Map" kreiert, dort bekommt Ihr geographische Unterstützung für unsere Beiträge. Klickt Ihr auf eines der blauen Dinger, erscheint eine kurze Beschreibung des Ortes.
  3. Auf der Hauptseite werden nur die letzten 10 Beiträge gezeigt, links unten findet Ihr das Archiv nach Monaten sortiert.
  4. Für ganz Fortgeschrittene: Ganz unten links kann man unseren Blog als RSS-Feed abonnieren. Dazu müsst Ihr in Eurem RSS Programm (Browser, MacOSX Mail oder irgend eine RSS Software) einfach die Adresse unseres Blogs eingeben.
Kaunita unia

Freitag, 4. Juli 2008

Harju

Heute ist es endlich sommerlich warm! Susanne und Jonas machten sich früh auf, um an den Strand zu gehen. Wir waren tatsächlich die Ersten, blieben aber nicht die Einzigen. Der See war gar nicht so kalt, aber weiter als bis zu den Oberschenkeln durfte bei Jonas das Wasser nicht gehen. So musste sich halt auch Susanne mit Sonnenbaden begnügen. Spass hatten wir aber trotzdem, auch wenn der Kampf um "Sändeli"-Utensilien nicht lange auf sich warten liess...

Am Nachmittag nahm sich Christian dann früher frei, da er am Wochenende ohnehin am Konnevesi arbeiten muss. Zu Dritt machten wir uns zum Harju, dem auf einem Hügel gelegenen Aussichtsturm von Jyväskylä auf. Die Aussicht war wirklich toll, wobei Jonas sich mehr für sein mitgebrachtes Auto als für diese interessierte.


Am Abend dann hatten wir noch ein gemütliches Essen mit Gilu und seiner Familie, der perfekte Abschluss eines wunderschönen Tages!

Donnerstag, 3. Juli 2008

Das Ketchup-Gen

Da heute Christian's Geburtstag war und er den ganzen Tag arbeiten musste, sind wir mit der ganzen Familie zur Forschungsstation nach Konnevesi gefahren. Währenddem die Biologen ihren Versuch starteten, erkundeten Susanne und Jonas die Umgebung, insbesondere den dorfeigenen Satama (Hafen). Den Nachmittag verbrachten sie dann bei schönstem Wetter bei der Station. Zusätzlich konnten sie noch die Fische, Schnecken und Parasiten begutachten.


Zur Feier des Tages sind wir am Abend im Restaurant Figaro fein und teuer essen gegangen. Lachs- und Zahndercarpaccio, Rindssteak und Zahnder paniert mit Roggenbrot kamen auf den Tisch und landeten genüsslich im Magen, es war wirklich ausgezeichnet. Jonas hat zum ersten Mal in seinem Leben ein Kindermenü im Restuarant bekommen: Würstchen und Pommes-Frites (heissen hier übrigens "ranskalaiset", wörtlich übersetzt "Franzosen").


Die Portion, wohl für etwa 7-jährige Kinder gedacht, hatte er innerhalb einer Stunde verspachtelt, ohne auch nur einmal eine Pause zu machen. Dass Kinder Pommes-Frites nicht widerstehen können, wussten wir ja schon. Aber wir haben nicht schlecht gestaunt, als Jonas sich eines genommen, es langsam in das Ketchup getaucht und sofort gegessen hat. Sind wir doch sicher, dass er Ketchup bis jetzt nicht kannte, schon gar nicht, wie man es anwendet. Danach brauchte es aber unsere ganze Erziehungskünste, um ihm klarzumachen, dass er das Ketchup nicht mit der Gabel aufessen soll und sich wieder mit dem eigentlichen Essen beschäftigen soll.


Es war übrigens wohl der schönste Tag seit wir hier sind, praktisch keine Wolken am Himmel und ein kühler Wind, der die Luft wunderbar klar blies.

Mittwoch, 2. Juli 2008

Konnevesi

Das Dörfchen Konnevesi liegt etwa 60 km östlich von Jyväskylä, und dort, am riesigen Konnevesi, befindet sich die Forschungsstation der Uni. Christian wird in diesem Sommer viele Tage an diesem wunderschönen Ort verbringen, den See beproben und Experimente durchführen. Heute sind wir (Anssi und Christian) das erste Mal aktiv geworden, wir haben Schnecken fürs kommende Experiment und für genetische Tests gesammelt. Das Wetter war fantastisch und im nächsten Bild könnt ihr sehen, wie schön arbeiten sein kann.


Am Nachmittag sind wir dann noch kurz nach Rautalampi gefahren, um bei einer Fischfarm Antibiotika für unsere Fische zu kaufen. Auf dem Weg dorthin überquert man den See auf drei aufeinanderfolgenden Brücken. Der Konnevesi ist der 22. grösste See Finlands (6 mal grösser als der Brienzersee), und einer der tiefsten (94 m).


Die Probenahme war ein voller Erfolg, wir haben etwa 100 Schnecken gesammelt, und 15% davon waren mit dem Parasiten infiziert, den wir suchen. Eine Schnecke "produziert" auch im Labor in einer Stunde tausende von Parasiten, die wir dann benützen können, um sie genetisch zu analysieren, oder um Fische zu infizieren.

Am Abend fand auf dem Gelände der Forschungsstation ein sogenannter Luontoilta (Naturabend) statt. Leute vom Dorf und der Umgebung können dann kommen und verschiedenen Spezialisten Fragen stellen. Ausserdem gab es Kahvi, Pulla und Makkara (die finnische Variante von Cervelat, ziemlich gut). So brachte zum Beispiel eine ältere Frau Pflanzen mit, weil sie nicht wusste, um was es sich handelt. Es war ziemlich amüsant, aber Christian hat sich dann nach 20 Minuten wieder seinen Parasiten gewidmet, weil er kein Wort verstand.