Mittwoch, 31. August 2011

Packen und Putzen

Jetzt galt es also Ernst, unsere Zeit an der Puistokatu in Jyväskylä war leider abgelaufen. Inzwischen waren wir mit unserem Reisegepäck ins Stadtsommerhaus unserer Vermieter gezügelt. Jonas und Loris gingen 3 Tage ins Päiväkoti, und Susanne und Christian machten sich ans Werk. Für unsere Sachen hatten wir einen Transport organisiert, wir mussten also als Erstes unseren Haushalt ausmisten. Der Plan war es, fast keine Möbel (wir besassen ja fast keine), dafür möglichst alle Spielzeuge, Bücher und Kleider mitzunehmen. Feinsäuberlich bereitete wir alles für die Zügelfirma vor.


Dann kamen unsere beiden schweigenden Zügelmänner und machten sich ans Werk.


Zu Beginn war ihr Tempo beeindruckend, doch die Fahrräder und die Gegenstände der Küche (die sie alle einzeln in Papier einwickelten) benötigten dann doch mehr Zeit.


Nach 1.5 h war alles fertig, 45 Zügelschachteln diverser Grösse (inkl. 3 Fahrräder) standen bereit. Geplant waren eigentlich 4 Kubikmeter, aber es wurden schliesslich 5 daraus.


Dann wurde das Ganze in den Lastwagen verfrachtet und wir verabschiedeten uns für ein paar Wochen von unserem Haushalt.


Am gleichen Tag ging Christian noch mit Freunden und einem ausgeliehenen Anhänger (den in Finnland jeder Sommerhaus-Besitzer hat) ein paar alte Möbel entsorgen. Der grosse, hässliche und viel zu weiche Sessel stand nur ein paar Tage in unserer Wohnung, den Rest der Zeit verbrachte er im Estrich.


Heute Mittwoch musste die Wohnung noch geputzt werden. Keine schöne Vorstellung bei 120 m2 Wohnfläche, aber zum Glück sind die Ansprüche in Finnland nie so hoch wie in der Schweiz. Für den Wohnungsputz hatten wir in die Trickkiste gegriffen und eine erfahrene rumänische Putzfrau (inklusive Ausrüstung) im Stundenlohn angestellt. Zu dritt kamen wir rasant vorwärts, und nach nicht mal 4 Stunden hatten wir das Ganze hinter uns gebracht.


Weil wir so schnell gewesen waren, hatten wir noch genügend Zeit, uns von der Stadt gebührend zu verabschieden, bevor wir die Kinder in der Krippe abholten. Wir fuhren zum Aussichtsturm und genossen wehmütig die letzte Aussicht auf unsere liebgewordene Heimat.

Sonntag, 28. August 2011

Letzte Tage

Morgen geht's los, die Koffer werden gepackt und bald heisst es Abschied nehmen von unserer neuen Heimat, unserer Wohnung und unseren Freunden. Den Kindern und unseren Nerven zu liebe versuchten wir aber, diese Zeit möglichst ruhig und normal anzugehen. Hier einige Eindrücke von den letzten 4 Tagen.

Für unsere finnischen Freunde wollten wir eine Abschieds- und Adressänderungskarte erstellen. Die Aufnahmen für das dazugehörende Foto waren allerdings eher schwierig, denn Jonas und Loris stritten sich andauernd darum, wer welche Flagge halten darf. Irgendwann, nach vielen Tränen, gelang es aber doch noch:


Jonas und Loris verbringen momentan viele Tage im Päiväkoti. Einerseits sollen sie die verbleibende Zeit noch voll ausnützen, anderseits können Susanne und Christian so den Umzug in Ruhe vorbereiten.


In den letzten Wochen hatte es auch ein paar Geburten in unserem Freundeskreis gegeben, und die Neugeborenen wollten wir natürlich vor unserer Abreise noch sehen. Laura zum Beispiel wurde gerade zum zweiten Mal Mutter einer kleinen Tochter.


Deren Schwester Jade ist eine alte Päiväkoti-Freundin von Jonas.


Ein eigentliches Abschiedsfest liessen wir bleiben, aber die deutschsprachige Spielgruppe, die Jonas und Loris regelmässig besuchten, luden wir in unserer Wohnung zu Spiel, Kaffee und Wein ein. Wegen uns (und der Familie Meier) wechselte die Spielgruppe einst ihren Namen, von "Deutsch" auf "deutschsprachig".


Eigentlich hatten wir uns ja vorgenommen, diesen Sommer viel in den Nationalparks wandern zu gehen. Aber wegen unseren vielen Reisen (die zum Teil auch Wanderungen beinhalteten) kamen wir bisher nicht dazu. Dieses Wochenende, an dem es sommerlich warm war, holten wir es nach, und machten uns auf zum Nationalpark Leivonmäki.


Sogar Loris wollte ein paar Schritte zu Fuss gehen, ...


bevor er zum letzten Mal das finnische Strandleben genoss.


Jonas bewältigte die 6 km lange Strecke ohne Probleme und Murren.


Zuletzt lösten wir noch das Versprechen ein, dass die Kinder noch einmal das HopLop, den grossen Indoor-Spielplatz, besuchen durften.


Die Freude war riesig...


Eigentlich ist das HopLop ja ideal für eiskalte Wintertage, aber für einmal drückten wir ein Auge zu, obwohl draussen die Sonne schien. Und die Jungs genossen es...


in vollen Zügen.

Freitag, 26. August 2011

Mobility

Familie Rellstab auf dem Weg zum Spielplatz... Neuerdings übt auch Loris mit Erfolg mit dem Trottinett des grossen Bruders.

Donnerstag, 25. August 2011

Museot

Ein paar wenige Prominente gibt es, die aus Jyväskylä stammen, oder einen grossen Teil ihres Lebens hier verbracht haben: Z. Bsp. Matti Nykänen, ehemaliger Skisprung-Star, Tommi Mäkinen, 4-facher Rallyweltmeister, oder Matti Vanhanen, Finnlands Premierminister von 2003 bis 2010. Der berühmteste ist aber Alvar Aalto (1898-1976), einer der grossen Architekten des 20. Jahrhunderts. Und natürlich gibt es in Jyväskylä ein Museum, dass ihm gewidmet ist (und übrigens von ihm selbst entworfen worden ist). Schon etwas peinlich, dass wir es in mehr als 3 Jahren nie geschafft hatten, das Museum zu besuchen. Aber noch blieben ja ein paar Tage, und so holte heute Christian das Verpasste nach.
 
 

Aalto ist allerdings nicht nur berühmt wegen seines unverkennbaren klassischen und funktionalistischen Architekturstils, sonder auch wegen seiner Arbeit als Designer. So entwarf er u.a. Stühle...


Vasen, ...


 und anderes Geschirr.


Hättest Du z. Bsp. gewusst, dass dieser omnipräsente und stapelbare Stuhl von Alar Aalto entworfen wurde?


Gleich gegenüber befindet sich das Museum von Zentralfinnland, dem Christian auch noch einen Besuch abstattete. Prunktstücke sind dabei sicher die 2 detailgetreuen Reliefs, eines zeigt Jyväskylä im Jahre 1950, ...


das andere im 19. Jahrhundert.


Nach dieser mehrstündigen Kunst- und Kulturlektion ging es aber wieder zurück zu Handgreiflicherem: Es muss weiter ausgemistet und gepackt werden, schliesslich kommt in ein paar Tagen ein Lastwagen, der unsere Sachen abholt.

Montag, 22. August 2011

Autot 2

Eine kleine Überraschung gab es heute für Jonas: Er durfte das erste Mal in seinem Leben ins Kino. Fast ein Jahr lang wurde der Film Autot 2 (Cars 2) mit grosser Kehle angekündigt. Jeder Knabe zwischen 3 und 12 Jahren trägt inzwischen irgendein Kleidungsstück vom Film, dessen Erstling ein riesiger Erfolg war. Sogar Loris kennt "Samala" (Salama McQueen, den Helden der Geschichte) schon. Im Film gibt es keine Menschen, nur vermenschlichte Autos und andere Verkehrsmittel, das Paradies für Buben. 

So trafen sich heute Jonas und sein Freund Noah mit ihren Vätern im Kino. Kaum zu glauben, aber in 3 Jahren hatten es sowohl Susanne wie auch Christian noch nie ins Kino geschafft.


Jonas erfuhr erst im Gebäude, dass er sich den Film schauen darf, und war natürlich völlig aus dem Häuschen. Und auch wenn die Parallelhandlung (Autorennen und Agentengeschichte) für einen 4-Jährigen kaum zu verstehen war, gefiel es ihm extrem gut und er war natürlich mächtig stolz. Und nebenbei gab es Popcorn, was will man noch mehr?

Samstag, 20. August 2011

Von Pilzen und einem Gummiboot

Zum letzten Mal waren wir bei unseren Freunden Mika und Monika im Mökki am See Armisvesi eingeladen. Motto: Pilzesammeln. Denn die Wälder sind im Moment nicht nur voll von Beeren, nein, der heisse und feuchte Sommer liess die Pilzpopulationen explodieren. So fuhren wir mit dem Boot auf eine Insel und durchkämmten sie nach essbaren Exemplaren.


So etwas wie diesen Spätsommer hatten wir in den letzten 3 Sommern nie erlebt. Wo man hinschaut Pilze, in allen erdenklichen Formen und Farben.


Und natürlich auch das Objekt der Begierde: der Kantarelli (Eierschwamm/Pfifferling).


Loris zeigt uns stolz seinen Fund.


Das Resultat liess sich sehen...


und einige andere tolle Exemplare wie diese grossen Steinpilze hatten unsere Gastgeber bereits am Freitag gefunden.


Diesen Sommer hatten sich Mika und Monika etwas besonderes geleistet und ein kleines Segelboot gekauft. Dies zeigten sie uns heute stolz, und Susanne und Jonas gingen mit auf eine kleine Segeltour. Eigentlich war geplant gewesen, dass Christian später auch noch segeln gehen darf, aber leider wurde aus Zeitmangel nichts daraus, schliesslich mussten wir ja auch noch in Sauna und feines Fleisch mit Pilzen essen.


Die grosse Hauptattraktion bei unseren 2 Jungs war aber das Gummiboot. Und obwohl es schön abwechselnd Jonas...


und danach Loris benützen durften, gab es mehrmals Streit und viele Tränen.


Spontan beschlossen wir, über Nacht zu bleiben. Die Gutenachtgeschicht gab's somit am Feuer beim See. Danke Mika, Monika und Noah für die tollen Erlebnisse und die dicke Freundschaft!


Dienstag, 16. August 2011

Lapeenranta & Puumala

Der 4. Tag unserer Reise verbrachten wir in Lappeenranta, einer Stadt ungefähr so gross wie Jyväskylä, gelegen in einer wild verzweigten Bucht am Südufer des Saimaas. Wir bekamen ein fast schon luxuriöses Hotelzimmer mit eigner Sauna und (zu) viel Platz zum Spielen und Rennen. Unseren ursprünglichen Plan, eine Bootsfahrt auf dem Saimaa, gaben wir wegen dem grauen Wetter auf, und schauten uns dafür die Stadt um so genauer an. Erst spazierten wir entlang dem Hafen...


bis zu einem Ort, der sich als wahres Kinderparadies entpuppen sollte. Jeden Sommer wird hier ein riesiges Sandschloss gebaut.


Das Thema dieses Jahr wahr offensichtlich der Zirkus, und die Skulpturen teilweise eindrücklich.


Und natürlich gab es auch einen riesigen Sandkasten für zukünftigen Sandschlosskünstler.


Daneben gab es andere Attraktivitäten wie Kletterparcours, Spielsommerhäuser und eine Eisenbahn.


Und auch die Erwachsenen kamen nicht zu kurz. Ausser uns hatte es fast keine Leute, und gratis war das Ganze auch noch.


Als Ersatz für die Bootsfahrt hatten wir eine Stadtrundfahrt in einem der Touristenzügchen gebucht. Die Fahrt dauerte fast eine Stunde und die Informationen waren in diversen Sprachen erhältlich. Susanne benützte den deutschen Kanal, Jonas den finnischen.


Dank der guten Rundfahrt wussten wir nun, was wir uns noch genauer ansehen wollten, und begaben uns auf die alte Stadtfestung, wo man nicht nur einen schönen Blick auf den Hafen hatte...


sondern auch alte finnische Häuser bewundern konnte. Eine Besonderheit, wie regelmässige Leser dieses Blogs ja wissen.


Auch in der Stadt gab es einiges zu sehen. Doch was kann schon das historische Ratshaus mit Glockenturm gegen einen richtigen Radkran ausrichten?


Am Monag machten wir uns auf die Heimeise. Fast 300 km mussten wir dabei noch zurücklegen und machten daher in Puumala, einer kleine Ortschaft mitten im Saimaa-Gebiet, einen Zwischenhalt. Loris hatte schnell neue Freunde gefunden, die sich für die Krümel seines Snacks interessierten.

 

Die grosse Brücke von Puumala, erst im Jahre 1995 gebaut, ist zwar keine Schönheit, aber hat einen Lift, der einem auf 28 m Höhe hinaufbringt. Von dort hat man eine fantastische Aussicht auf den See. Das Kaffee im obersten Stock war leider geschlossen.


Zufälligerweise wurde wir Zeuge davon, wie sich 2 riesige Holzflosse (gezogen oder gestossen von starken Schiffen) kreuzten.


Die folgenden 20 km Fahrt Richtung Mikkeli gehörten dann wieder zum Spektakulärsten, was wir in Finnland je gesehen hatten. Die Strasse windete sich durch Täler, über Brücken und Felsen, das Wasser des Saimaas war überall. Wir legten diverse kurze Zwischenhalte ein...


und schworen uns, hier wieder mal vorbeizukommen, dann aber bei sonnigem Wetter. Nach 650 km Fahrt in 5 Tagen trafen wir am späteren Nachmittag wieder in Jyväsklyä ein, glücklich, weil wir so ein schönes Wochenende gehabt hatten, aber auch traurig, weil dies unser letzter grosser Ausflug gewesen war.