Samstag, 28. Februar 2009

Finnish men are from Mars

Geklauter Gastbeitrag von David Brown, Six Degrees, er lebt seit 7 Jahren in Finnland.


Everyone has heard the clichés; that Finns are shy, that they drink far too much and are more comfortable in forests than they are in cities. But in my experience, the clichés are true of only half the population. I don't mean roughly half; I mean exactly 50% of the population. Finnish women, as you may have noticed, are actually quite normal. Most can hold conversations on a variety of topics, dress nicely, and frequently laugh in public places. Some can even make eye contact. Most drink in joyful moderation, and are not driven to violence as a result of doing so.

Finnish men, on the other hand, are a far more worrying lot. While Finnish men may make the best engineers in the world, they are the world's worst talk show hosts. Topics of conversation seem to be limited to weather, programming in C++, and occasionally Formula One. At parties, while the women are in the kitchen laughing and discussing the issues of the day, the men are sat on the sofa in pained silence. Walls are stared at, lest eye contact encourage some backslider to start a conversation.

In these situations, alcohol functions less as a social lubricant and more as a kind of defibrillator. Late every Friday night, men who have slumped monosyllabic and sullen over their workstations for 60 hours are suddenly sparked into robust monologues on anything from bus timetables to fashion. As a (female) friend put it, "When men talk to me in nightclubs, I understand why it is best they stay silent the rest of the time." It seems as if alcohol allows Finnish men to become the kind of people they would want to be while sober; whilst ensuring they do so not with the suave cool of Daniel Craig, but more the stumbling weirdness of Boris Yeltsin.

Of course, these are clichés. We all know some Finnish men who are kind and funny and do not work in mobile communications. But beneath many generalisations we can also find some facts, and in this case there are also some disturbing statistics. It is estimated that some half a million Finns have serious drinking problems. There are more than 4,000 reported cases of domestic violence in Finland every year. It barely needs mentioning that the overwhelming majority of cases are not reported, any more than it does that the overwhelming majority of perpetrators are men. Drunk men, in fact.

I am appalled by the figures, but I am not shocked. If we consider domestic violence as an explosion at the end of a fuse marked by frustration and resentment, then it should come as no surprise that people with limited communication skills are more frustrated than those with many. IT may be that the men we see cackling hysterically over bottles of fruit wine outside the railway station are not the ones we should be worrying about. It is the apparently normal middle class men on the street who may most often mix the lethal ingredients of frustration, despair and alcohol.

As Finns travel more and mix more with other cultures, Finnish men will hopefully learn what Finnish women already seem to know; that social chit-chat can be both fun and easy, that wine can be drunk from glasses and not from bottles, and that it is far better to talk about what one feels, than explode from the fear of doing so. In doing so, hopefully some of the deepest and darkest wounds in our society can begin to heal.

Sonntag, 22. Februar 2009

Laskiaissunnuntai

Fasnacht ist kein grosses Thema in Finnland - nach unseren Wissen schminkt und verkleidet sich hier niemand. Allerdings hatten früher die Finnen auch ihre Art, die Tage vor Beginn der Fastenzeit zu feiern. In der Nacht vor dem Laskiaispäivä, heuer ein Dienstag, ging man bis zum Anbruch des Tages Schlitteln. Dabei schrie man laut seine Wünsche für das kommende Jahr hinaus, und dem, der am weitesten schlittelte, sollte die grösste Ernte des Jahres gehören. Danach gingen alle nach Hause und assen eine deftige Erbsensuppe. Am Abend besuchte man die Sauna, sprach aber dabei kein Wort, um zu verhindern, dass einem die Mücken im Sommer stechen werden. Die Fastenzeit dauerte 40 Tage, bis Ostern.

Heute geht man immer noch Schlitteln und isst auch immer noch die vielbesagte und von uns nicht probierte Erbsensuppe. Neu hinzugekommen ist die Laskiaispulla, eigentlich eine normale Pulla, die aber in 2 Hälften geschnitten und dann mit Konfitüre (oder Marzipan) und Schlagrahm gefüllt wird. Sehr gut und sehr nahrhaft. Je nach Quelle übrigens von Schweden oder Deutschland importiert. Gefastet wird allerdings nicht mehr.

Die Feierlichkeiten beginnen übrigens bereits am Sonntag - dem Laskiaissunnuntai. Da wir nicht, wie alle anderen Einheimischen, am Dienstag Sportferien haben werden, genossen wir das Schlitteln also bereits heute.


Bild und Film zeigen, dass Jonas inzwischen allen Respekt vor dem Schnee verloren hat - das dauerte ein Weilchen, dafür ist es jetzt um so lustiger. Nur den Skianzug anziehen endet leider jedesmal in einem epochalen Drama.

Donnerstag, 19. Februar 2009

Tulkaapa lapset syömään

Jonas präsentiert stolz den Spruch, den sie in der Krippe vor jedem Essen sagen:



Nichts verstanden? Hier noch die langsame Version für Nicht-Finnen:



Und im Wortlaut:

Kukko puuron keitti.
Kana maidon lämmitti.

Pienet linnut lusikat jakoi.

Tulkaapa lapset syömään!


Der Hahn hat den Brei gekocht.
Das Huhn hat die Milch gewärmt.
Die kleinen Vögel haben die Löffel verteilt.
Kommt zum Essen Kinder!

Sonntag, 15. Februar 2009

Kärkistensalmi

Der Päijänne ist der 2. grösste See von Finnland und erstreckt sich über 120 km von Jyväskylä bis fast nach Lahti. Mit 95 m ist er auch der tiefste See Finnlands. An manchen Stellen ist der Päijänne über 10 km breit, aber bei Korpilahti, an einer der dünnsten Stellen (1 km), führt die einzige Brücke darüber. Kärkistensalmi ist ihr Name, liegt 30 km südlich von hier und vereinigt Westen und Osten der Region. Dorthin haben wir uns heute aufgemacht - einfach aus Gwunder.


Als richtige Schweizer haben wir natürlich als Erstes den beschwerlichen Aufsteig auf die Brücke in Angriff genommen...


... und staunten über die tolle Aussicht auf den vollständig zugefrorenen See, der insgesamt über 1800 Inseln hat.


Auf den Besuch des hübschen Kaffees gleich nebenan verzichteten wir...


... aber besuchten dafür die 1827 erstellte Holzkirche von Korpliahti, hübsch gelegen auf einem kleinen Hügel mit toller Aussicht.


Bald knurrten aber unsere Mägen und wir machten uns auf Richtung nächste Pulla. Im Sommer kommen wir wieder.

Freitag, 13. Februar 2009

Pullopalautus

Nachdem wir Euch letzte Woche beschrieben haben, wie man hier in Finnand zu Wein und Schnaps kommt, erzählen wir Euch heute, was mit den leeren Flaschen passiert. Bei oder in jedem Laden, in dem man Flaschen oder Büchsen kaufen kann, hat es ein Pullo- ja Tölkki-Palautus (Flaschen- und Büchsenrückgabe).


Jede Flasche und jede Büchse hat hier ein Depot im Preis inbegriffen (bis zu 40 Cents bei einer grossen Pet-Flasche). Grund genug also für alle, die Flaschen an diesen vollautomatischen Maschinen zurückzugeben. Nach Feiertagen sind die Schlangen davor sehr sehr lang... Quizfrage: Welcher Einkaufswagen gehört den Schweizern?


So kann Susanne also die Flaschen, die Christian ausgetrunken hat, gewinnbringend loswerden.


Die Maschine erkennt automatisch den Preis und die Flasche wird per Fliessband an den richtigen Ort befördert.


Kein Wunder liegt die Rückgabequote in Finnland bei fast 100%. Was öffentlich liegen bleibt, wird von ärmeren Leuten eingesammelt - ein willkommener Nebenverdienst, um sich dann oft gleich die nächste Flasche zu kaufen.

Überhaupt funktioniert hier das Recyclingsystem vorzüglich und ist erst noch "gratis", sprich nicht verbrauchsabhängig (über die Steuern bezahlt). Altpapiersammlungen haben die Finnen vor über 60 Jahren eingeführt. Zu jeder Hausgruppe gehört ein kleines Häuschen, wo man Glas, Metall, Papier, Karton, Kompost und restlicher Abfall getrennt entsorgen kann - bequem und zu jeder Zeit.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Scanner

Die Männer waren heute im Computerladen und haben sich endlich einen Scanner gekauft. Dies erweitern natürlich die Möglichkeiten unseres Blogs, z. Bsp. können wir nun Zeichnungen von Jonas zeigen (keine Angst, nicht zu viele)...


oder analoge Fotos, wie z. Bsp. die Mitglieder der Sirkkuset (Ammern), der Gruppe von Jonas im Päiväkoti.


Ulla, die Chefin ganz links oben, kann ganz gut Deutsch. Taina, zweite von links, rudimentäres Englisch. Jade, das Mädchen rechts von Jonas, kann sehr gut Deutsch, ihre finnische Mutter ist zweisprachig aufgewachsen. Sonst müssen wir uns mit Finnisch, Händen und Füssen verständigen. Das funktioniert ziemlich gut und v.a. immer besser.

Diese Aufnahme wurde Ende 2008 gemacht. Jonas wollte anscheinend nicht aufs Foto, musste ganz fest weinen (wie man sieht), aber irgendwie konnten sie ihn dann doch überreden.

Sonntag, 8. Februar 2009

Ladun Maja

10 km westlich von Jyväskylä, am Ufer des Kolmisoppinen-Sees, befindet sich Ladun maja. Auf deutsch heisst das Loipenhütte und der Ort ist ein beliebter Langlauf-Treffpunkt. Hier kann man seine Runden drehen, oder in der warmen Hütte einen Kaffee trinken und am Feuer eine Wurst braten (!). Weil die Temperaturen heute früh nur knapp unter dem Nullpunkt waren, machten wir uns dorthin auf, um etwas im Schnee herumzuspielen. Der kleine See liegt mitten im tief verschneiten Wald.


Auf dem See hatten die Schneetöffs Dutzende von Spuren präpariert und eine Gruppe junger Frauen übte intensiv Langlauf-Technik.


Wir hingegen gingen auf dem See ein wenig spazieren, auch wenn das den lokalen Langlauf-Lehrerinnen gar nicht passte, die anscheinend in jedem Moment die panikmässige Ankunft von über hundert Kindern erwarteten (eine Stunde später trudelten sie dann ein...). Schnell mussten wir aber festellen, dass Fussgänger hier im Tiefschnee keine Chance hatten und kehrten um. So vergnüften wir uns an einem winzigen Hügel mit Bobfahren...


und genossen später Kaffee und Pulla in der gemütlichen Skihütte.


Nach einem kurzen Fototermin mit den wohl berühmtesten Finnen der Welt (den Muumin)...


zwangen wir den noch immer etwas schneescheuen Jonas zu seiner ersten Solo-Bobfahrt (wieder mal ein Filmchen).



Und dann passierte es wirklich: Nach 25 Tagen lagen die Temperaturen nicht mehr im Minus. Nicht so schlimm, dachten wir. Aber als es dann auf der Heimfahrt regnete, waren wir schon frustriert. Allerdings soll es aber schon morgen wieder kalt werden.

Freitag, 6. Februar 2009

Mittwoch, 4. Februar 2009

Alko

Wer in Finnland Wein und Schnaps kaufen will, der sucht es in den Läden vergebens. Hier gibt es nur Bier (Olut) und Cider (Siideri). Getränke, die über 4.7 % Alkohol enthalten, werden nur in den staatlichen Alkoholläden angeboten. In Jyväskylä selbst gibt es 6 dieser Läden, davon einer im Zentrum und der Rest in einem der riesigen Einkaufszentren an der Peripherie. Das Angebot ist überwältigend (wie man auf den folgenden Bildern sieht), oder wie Grosspapi Wääni einst meinte: "Sonen Wiiichäller müesst mer ha".


Alko heisst die Firma, die in Finnland insgesamt 343 Läden führt. Gegründet wurde sie 1932 und steht unter der Gilde des Sozial- und Gesundheitsdepartements. Damit versucht der finnische Staat, die Trinkgewohnheiten seiner Bürger zu beeinflussen, und kassiert dabei kräftig mit: über 5% der staatlichen Steuereinnahmen kommen aus dem Alkoholkässchen, auch dank den happigen Steuersätzen (bis zu 50% beim harten Alkohol, plus 18% Mehrwertsteuer). Die Steuern wurden übrigens in den letzten Jahren immer wieder gesenkt, um den Schwarzmarkt aus Estland zu unterbinden. Denn es ist erlaubt, für private Zwecke bis zu 20 Liter Schnaps zollfrei aus Estland zu importieren. Viele Finnen machen deshalb vor grossen Parties und Hochzeiten mit der Fähre einen kleinen Ausflug nach Tallin.


Grundsätzlich gilt auch: um Alkohol zu kaufen, muss man 18 Jahre alt sein, für Spirituosen mit Alkoholgehalt über 22% mindestens 20 Jahre. Früher durfte man auch nicht in der Öffentlichkeit trinken und Restaurants mussten ihre Weine über Alko kaufen - inzwischen sind diese Regelungen gelockert worden. Grund dieser zum Teil strengen Gesetzgebungen und Praktiken sind die grossen Alkoholprobleme, die in Finnland herrschen. In der EU ist Finnland das Land mit den meisten Todesfälle in direktem Zusammenhang mit Alkohol: 28,6 Männer und 4 Frauen auf 100'000 Einwohner. Es konnte nachgewiesen werden, dass ein grosser Zusammenhang zwischen Depressionen, Lichtmangel und Alkoholismus besteht.


Die Existenz von Alko und die Vereinheitlichung des Wein- und Schnapsverkaufes hat einige bemerkenswerte und lustige Konsequenzen:
  • Alkoholische Getränke sind teuer (die gleichen Weine kosten etwa gleich viel wie in de Schweiz, aber in Euro und nicht in Franken).
  • Der Wettbewerb fehlt völlig, und daher gibt es auch keine Weinhandlungen.
  • Wie wählt Alko seine Weine aus? Gibt es ein kleines Grüppchen Kenner, die jeden Tag dutzende von Weine probieren und entscheiden, was der Finne trinken darf? Ja, und hier sind sie.
  • Spitzenweine sind meist nirgendwo so billig wie in Finnland (und den anderen skandinavischen Staaten), weil der finnische Staat Grosskunde ist und nur den Einkaufspreis plus Steuern verrechnet.
  • In jedem Alko in ganz Finnland gibt es das genau gleiche maximale Angebot zum genau gleichen Preis.
  • Daher weiss man auch immer, was ein Gast ausgegeben hat, wenn er als Dank für die Einladung zum Essen eine Flasche Wein mitbringt (in Finnland bringt man IMMER etwas mit). Man kann es sogar schnell online nachschauen.
  • Am Sonntag (viele Läden haben hier am Sonntag geöffnet) kann man keine Getränke mit Alkoholgehalt über 4.7 % kaufen.
  • Lebt man auf dem Land, dann trinkt man lieber Bier: In Konnevesi zum Beispiel, wo sich die Forschungsstation der Uni befindet, fährt man geschätzte 40 km bis zum nächsten Laden. Je weiter nördlich man wohnt, desto grössere Reserven muss man haben. Dort sind dann auch selbst gebrannte Schnäpse "in", wie Christian in seiner Reise nach Lappland vor 6 Jahren selbst erleben durfte.

Montag, 2. Februar 2009

Kidskating

Am Montagmorgen gab es dann eine weitere Première für Susanne und Jonas: Schlittschuhlaufen auf dem Jyväsjärvi mit Kinderwagen. Dies hat gleich zwei Vorteile: Zum einen kann Jonas sich nicht nach fünf Minuten auf den Boden setzen und keinen Schritt mehr machen (wenn es ihm stinkt). Zum andern hat Susanne etwas, woran sie sich festhalten kann beim Schlittschuhlaufen, ist ja nicht gerade ihre Königsdisziplin und bei den vielen Rillen, Löchern und Rissen im Eis kann etwas Halt allgemein nicht schaden.


Das Wetter war übrigens traumhaft: Nachdem es am Morgen noch Nebel hatte, verzog dieser sich und vor uns lag die fast menschenleere Eisbahn im strahlenden (Morgen-)Sonnenschein.


Die Initiative zum "Kidskating" ging übrigens von Barblin aus. Mit unseren zwei Kinderwagen (mit Inhalt natürlich) drehten wir also eine Runde und kamen dabei - trotz klirrender Kälte - schon fast ins Schwitzen.


Es hat grossen Spass gemacht; dürfte wohl nicht das letzte Mal gewesen sein! Jonas hat das Ganze dick eingepackt kommentarlos über sich ergehen lassen, zur Belohnung gab es dann nach unserer Rückkehr noch eine Extraportion Schaukeln und Schneehaufen-Herunterrutschen auf dem Spielplatz.