Alko heisst die Firma, die in Finnland insgesamt 343 Läden führt. Gegründet wurde sie 1932 und steht unter der Gilde des Sozial- und Gesundheitsdepartements. Damit versucht der finnische Staat, die Trinkgewohnheiten seiner Bürger zu beeinflussen, und kassiert dabei kräftig mit: über 5% der staatlichen Steuereinnahmen kommen aus dem Alkoholkässchen, auch dank den happigen Steuersätzen (bis zu 50% beim harten Alkohol, plus 18% Mehrwertsteuer). Die Steuern wurden übrigens in den letzten Jahren immer wieder gesenkt, um den Schwarzmarkt aus Estland zu unterbinden. Denn es ist erlaubt, für private Zwecke bis zu 20 Liter Schnaps zollfrei aus Estland zu importieren. Viele Finnen machen deshalb vor grossen Parties und Hochzeiten mit der Fähre einen kleinen Ausflug nach Tallin.
Grundsätzlich gilt auch: um Alkohol zu kaufen, muss man 18 Jahre alt sein, für Spirituosen mit Alkoholgehalt über 22% mindestens 20 Jahre. Früher durfte man auch nicht in der Öffentlichkeit trinken und Restaurants mussten ihre Weine über Alko kaufen - inzwischen sind diese Regelungen gelockert worden. Grund dieser zum Teil strengen Gesetzgebungen und Praktiken sind die grossen Alkoholprobleme, die in Finnland herrschen. In der EU ist Finnland das Land mit den meisten Todesfälle in direktem Zusammenhang mit Alkohol: 28,6 Männer und 4 Frauen auf 100'000 Einwohner. Es konnte nachgewiesen werden, dass ein grosser Zusammenhang zwischen Depressionen, Lichtmangel und Alkoholismus besteht.
Die Existenz von Alko und die Vereinheitlichung des Wein- und Schnapsverkaufes hat einige bemerkenswerte und lustige Konsequenzen:
- Alkoholische Getränke sind teuer (die gleichen Weine kosten etwa gleich viel wie in de Schweiz, aber in Euro und nicht in Franken).
- Der Wettbewerb fehlt völlig, und daher gibt es auch keine Weinhandlungen.
- Wie wählt Alko seine Weine aus? Gibt es ein kleines Grüppchen Kenner, die jeden Tag dutzende von Weine probieren und entscheiden, was der Finne trinken darf? Ja, und hier sind sie.
- Spitzenweine sind meist nirgendwo so billig wie in Finnland (und den anderen skandinavischen Staaten), weil der finnische Staat Grosskunde ist und nur den Einkaufspreis plus Steuern verrechnet.
- In jedem Alko in ganz Finnland gibt es das genau gleiche maximale Angebot zum genau gleichen Preis.
- Daher weiss man auch immer, was ein Gast ausgegeben hat, wenn er als Dank für die Einladung zum Essen eine Flasche Wein mitbringt (in Finnland bringt man IMMER etwas mit). Man kann es sogar schnell online nachschauen.
- Am Sonntag (viele Läden haben hier am Sonntag geöffnet) kann man keine Getränke mit Alkoholgehalt über 4.7 % kaufen.
- Lebt man auf dem Land, dann trinkt man lieber Bier: In Konnevesi zum Beispiel, wo sich die Forschungsstation der Uni befindet, fährt man geschätzte 40 km bis zum nächsten Laden. Je weiter nördlich man wohnt, desto grössere Reserven muss man haben. Dort sind dann auch selbst gebrannte Schnäpse "in", wie Christian in seiner Reise nach Lappland vor 6 Jahren selbst erleben durfte.
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