Freitag, 19. September 2008

Das Neuste aus der Welt der Wissenschaft

Sie sprechen wenig, und falls doch, dann eine kaum verständliche Sprache. Sie spazieren in Trainerhosen durch die Stadt. Sie verzichten auf teure Ferien am Mittelmeer und verbringen stattdessen den Sommer in ihrem Sommerhaus ohne irgendwelchen Luxus. Sie lieben Sauna und Lakritze. Sie pflücken wie wild Beeren und sammeln Pilze. Sie verwenden kaum Salz zum Kochen, essen dafür aber immer Brot mit gesalzener Butter zur eigentlichen Mahlzeit. Sie sind sehr gastfreundlich und die Geschlechter gleichberechtigt.

Dass die Finnen speziell sind, wissen wir ja schon lange, nun kommt hier aber der wissenschaftliche, genetisch untersuchte Beweis. Eine Studie in "Current Biology" hat 2514 Personen aus 20 europäischen Ländern genetisch durchleuchtet. Unten sieht man eine Graphik mit dem Ergebnis, ganz leicht zu lesen: je näher die Flächen (= Länder) zusammen sind oder je mehr sie überlappen , desto näher sind sie auch genetisch verwandt. Interessanterweise (und logischerweise) zeigt diese genetische Landkarte das Gleiche wie eine geographische Landkarte.


Aber was ist nun mit den Finnen? 1) Sie sind ein totaler Ausreisser auf dieser Graphik, es gibt keine Überlappung mit irgendeinem anderen Land. Ok, Russland und Estland fehlen, aber Schweden, Norwegen und Ungarn nicht. 2) Die Authoren haben auch nachgerechnet, wo es genetische Barrieren gibt. Es gibt deren zwei, nämlich zwischen den Finnen und dem Rest, und den Italienern und dem Rest. 3) Die genetische Vielfalt ist in Finnland klar am Kleinsten. Das hat natürlich mit der Kolonisierungsgeschichte unserer Art zu tun (vom Süden in den Norden), aber auch mit der Grösse der Bevölkerung und der geographischen Isolation.

Warum auch immer, die Finnen scheinen sich also am liebsten untereinander fortzupflanzen. Die Konsequenz ist, dass sie viel mehr "inbred" (auf Deutsch "durch Inzucht erzeugt", wobei dieses Wort in der Biologie keinen moralischen Wert hat, es ist einfach ein Fact) sind als der Rest von Europa. Das sieht man auch an den gesundheitlichen Problemen, die sie hier haben. Finnen haben viel mehr Allergien als der Rest von Europa, ausserdem leidet ein grosser Teil der Bevölkerung an Laktose (17%)-, Gluten-Intoleranz und Diabetes. Wobei die Meinungen auch in der Wissenschaft auseinander gehen, inwieweit diese "Krankheiten" genetisch bedingt sind.

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