Donnerstag, 9. Oktober 2008

Gül

(Wer jetzt meint, dass sei ein finnischer Titel, der täuscht sich... Ü existiert in der finnischen Sprach nicht)

Heute musste Christian arbeiten. Leider müssen die Ferientage trotz Gästen sparsam eingesetzt werden. Auf dem Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad entstand ein Panoramafoto. Von links nach rechts: Der naturwissenschaftliche Teil der Uni (Christian's Arbeitsplatz), die Fussgängerbrücke über den Jyväsjärvi und die Nokia-Gebäude (grosse Version durch Klick auf das Bild). Schon schön, wenn einem der tägliche Arbeitsweg an einem See entlang führt.


An der Uni dann die grosse Überraschung: Es war nicht nur wieder einmal Flaggentag, nein es war neben der finnischen Flagge auch die türkische gehisst! Grund dafür war der Besuch des türkischen Staatspräsidenten Abdullah Gül. Er war vom ehemaligen finnischen Ministerpräsidenten (und diesjährigem Friedensnobelpreisträger) Martti Ahtissari für einen Vortrag an der Uni Jyväskylä eingeladen und hatte dies mit einem offiziellen Staatsbesuch kombiniert.


Der Titel des Vortrags - "Building a common future" - liess doch auf EU-Beitrittswerbung schliessen. Aus diesem Grund verzichtete Christian auch darauf, ihn sich anzuhören, ausserdem führten die Sicherheitsvorkehrungen dazu, dass man 1.5 h vor dem Vortrag dort sein musste. Das Überraschende am Besuch des Staatsgastes war aber, dass er sich als Erstes gleich in das Gebäude begab, in dem Christian arbeitete (warum auch immer). 

Der gesamte Parkplatz im Innenhof der Uni war aus Sicherheitsgründen abgesperrt und der rote Teppich wurde von unserem Hauswart (in Schale, kaum zu glauben) ausgelegt. Nach langem Warten erreichte die Wagenkolonne schliesslich unseren Innenhof. Angeführt von einem finnischen Polizeiauto, dann (in dieser Reihenfolge) einem kleinen Wagen voller Bodyguards, die Limousine mit Gül und irgendwelcher finnischer Prominenz, 2 grosse Minibusse voller Bodyguards, etwa 5 identische Limousinen mit weiteren wichtigen Leuten, einem Sanitätswagen und, ganz am Schluss, wieder in finnisches Polizeiauto. Nicht schlecht. Empfangen wurde der Tross von etwa einem Dutzend Journalisten.


Wir hatten uns Herrn Gül als mürrischen, etwas arroganten Typen vorgestellt. Als er aber die Eingangshalle betrat und all die Leute sah, die in von den drei Stockwerken begutachteten, blieb er stehen und rief laut und freundlich "Hello!", worauf Christian natürlich auch mit einem lauten "Hello!" antwortete. Nur hatte er nicht damit gerechnet, dass all die Finnen um ihn herum nur murmelten. Peinlich, peinlich... Dann verschwand der ehemalige Präsident der heute verbotenen islamistischen Partei im kleinen Seminarraum. Die Aufregung legte sich schnell und alle konnten endlich wieder in Ruhe arbeiten.

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