Wir haben es geschafft, wir existieren jetzt wirklich in Finnland. Wir, das sind 290107A6498, 281273-188M und 030774-247M, nun offiziell registriert. Ohne henkilötunnus (neudeutsch personal identification number) ist fast gar nichts zu machen in Finnland, man bekommt kein Handy, keine Krankenkasse, keine Kinderzulagen und kann keine Steuern zahlen. Die Nummer besteht aus dem Geburtsdatum und 4 Zufallszahlen. 2 Wochen haben wir gewartet, gehofft und gezittert und endlich ist es soweit. So praktisch diese Nummer auch ist in Finnland, so verwundert sind wir, dass die Finnen beim Erfinden dieser Nummer nicht an den Jahrhundertwechsel gedacht haben, und jetzt (wie oben im Fall von Jonas) ein A nach dem Geburtsdatum einfügen müssen. Natürlich haben wir schon darüber spekuliert, was wohl in 2500 Jahren geschehen wird...
Auch wenn das Wetter meistens nicht mitspielte, hatten wir bis jetzt eine schöne Woche. Am Montag waren wir bei Gilbert, einem Arbeitskollegen von Christian, zum Abendessen eingeladen. Gilbert ist Berner, aber lebt seit 14 Jahren in Finnland und hat hier 2 Kinder mit seiner finnischen Ehefrau, die Berndeutsch kann. Gilbert ist ein kleines Sprachgenie, so beherrscht er doch die finnische Sprache beinahe perfekt und kann probemlos zwischen Finnisch, Deutsch, Englisch und Französisch wechseln. Nach einer reichhaltigen Mahlzeit haben wir in ihrem Garten geplaudert, bis wir mit Schrecken feststellen mussten, dass es bereits Mitternacht war. Und so haben wir uns auf den halbstündigen Fussweg nach Hause gemacht, und es war beinahe so hell wie am Tag.
An diesem Wochenend ist Juhannus (Mittsommernacht). Zusammen mit 1. Mai und Neujahr der Tag, an dem die grössten Besäufnisse stattfinden (an Ostern und Weihnachten seien sie braver, versichern uns die Finnen). Dabei ist es hier Tradition, dass man das Wochenende in der Natur, also meistens im Sommerhäuschen verbringt. Dazu ist es wie bei uns am 1. August üblich, das riesige Lagerfeuer gemacht werden. Warum dies gerade am hellsten Tag des Jahres geschieht, konnte uns bis jetzt kein Finne erklären. Genug der Einführung, warum wir das eigentlich erklären, ist, weil bei uns in den letzten 2 Tagen die Läden leer gekauft wurden. Als Susanne gestern einkaufen gehen wollte, hatte es z. Bsp. keine Milch, kein Gemüse und kein Brot mehr. Und als wir heute früh auch auf unseren Hamstereinkauf gingen, konnte man sich im riesigen Shopping Center wegen den vielen Einkaufswagen kaum mehr bewegen. Und das wegen 2 mickrigen Feiertagen, am Sonntag haben ja die Läden wieder (wie immer) offen.
Heute waren wir auch bei der zukünftigen Krippe von Jonas zu Besuch. Es ist wirklich eine schöne Krippe und die Betreuung macht auch einen seriösen Eindruck. Jonas ist auch nicht der einzige Ausländer, anscheinend haben sie auch einen Chinesen in der Krippe. Das Ganze ist übrigens viel billiger als in der Schweiz (und ein Platz ist sozusagen garantiert): Maximal zahlt man 200 Euro pro Monat für 5 Tage Betreuung pro Woche. In Zürich zahl man etwa 150 Franken für einen einzigen Tag (pro Monat, nicht pro Woche). Als wir die Krippe verliessen, musste Jonas weinen, weil er eigentlich länger bleiben wollte. Bald wird das anders sein...
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