Die erste Arbeitswoche für Christian hat begonnen. Seltsam, wenn man an einen Ort kommt, fast niemanden kennt, einen leeren Schreibtisch vor sich hat, und selbstständig ein neues Projekt in Angriff nehmen sollte. Die ersten 2 Tage waren nur administrative Dinge angesagt, gar nicht so einfach, weil alle Formulare und internen Webseiten auf Finnisch sind. Zum Glück sprechen alle exzellentes Englisch und sind sehr hilfsbereit. Dann konnte es losgehen.
Ach ja, Ihr wollt wissen um was es geht? Grundsätzlich erforschen wir die Biologie und Genetik des Saugwurms Diplostomum, einem Parasiten, der 3 Wirte hat. Zuerst befällt er eine Schnecke (sie wird unfruchtbar), dann einen Fisch (kriecht in sein Auge und macht ihn blind) und zuletzt einen fischfressenden Vogel. Die Forschung hat dabei sowohl grundlegende Züge wie auch angewandte Aspekte, da der Parasit in Fischfarmen ein grosses Problem darstellt. Interessant ist auch, dass verschiedene Fortpflanzungsmechanismen während des Zyklus vorkommen: Sexuelle Reproduktion (das mit den Bienen und Blumen ;-), asexuelle Reproduktion (Jungfernzeugung, wie die Daphnien) und Selbstbefruchtung. Kurz und bündig: Christian wird in den nächsten 2 Jahren in Seen Wasser filtern, nach Schnecken schnorcheln und tauchen, Fische fangen, Vogelkot sammeln - und dann alles im Labor genetisch analysieren.
Im grossen Büro sitzt also der neue Schweizer mit - 10 schweigenden Finnen. Alles nicht so schlimm, denn Ruhe ist ja auch von Vorteil. Trotzdem, am Donnerstag war dann das erste Mal Soziales angesagt. Doktoranden und Post-Docs treffen sich einmal pro Monat für Sauna, Bier und Schwatz. Es war ganz lustig - neue Leute kennengelernt und wieder mal tüchtig geschwitzt. Was die Leute so alles tun nach der Sauna, könnt ihr auf dem nächsten Bild sehen.
Die Universität - von Alvara Alto entworfen und wunderschön am Jyväsjärvi gelegen - erinnert manchmal an einen Spital, weil alles so weiss und klinisch daherkommt. Im Moment ist es sehr ruhig, weil die Studenten Ferien haben. Gemäss Eingeborenen kriegt jeder einen Schock am 1. September, wenn sie wieder da sind. Und auch Jyväskylä wird dann wieder um einige zehntausend Einwohner reicher sein. Das Büro befindet sich im 2. Stock (für die Finnen im 3. Stock) rechts oben.
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