Donnerstag, 8. Januar 2009

Auf frischen Spuren

Auf dem Rückweg vom einmal mehr scheusslichen Mittagessen in der Mensa ins Büro kam mir die Idee, einen kleinen Rundgang auf dem See zu machen. Der Schnee war frisch, die Temperaturen sehr tief und das Wetter herrlich. Ich zog warme Kleider an, packte meine 2 Kameras und lief los. Auf der Treppe der Uni - mit nettem Ausblick auf die Fussgängerbrücke - nahm ich meine kleine Canon Ixus aus der Tasche, stellte sie an und wollte ein Foto schiessen. Leider konnte die Kamera nicht mehr scharf stellen. Bei -15°C war das Objektiv, wohl noch etwas feucht vom vielen Schnee in den letzten Tagen, nach ein paar Sekunden bereits eingefroren. Netter Versuch. Immerhin, meine neue grosse Kamera funktionierte bei dieser Kälte noch ohne Probleme.


Auf der Fussgängerbrücke wehte mir ein starker Wind entgegen - mein Gesicht schien einzufrieren und ich machte mich schnellen Schrittes auf die andere Seite der Brücke, die Sonne hatte. Genau so hatte es sich angefühlt, damals, als Susanne und ich anno 1999 bei -22°C am Piz Nair Skifahren waren.


Der Blick Richtung Brücke und Westen, wo es die Sonne zu dieser Jahreszeit nur knapp über den flachen Hügel schafft, zeigte mir wieder mal, was so einzigartig ist an der Region hier oben: Ruhe, Einsamkeit, tief stehende Sonne, klare Luft, Bäume und Seen... Nun aber fertig mit Träumen - meine Füsse wurden langsam kalt und mir fiel wieder mal ein, dass ich doch endlich wintersichere Schuhe kaufen sollten. Aber nicht nur wegen der Kälte, auch wegen der Unberührtheit des Neuschnees getraute ich mich nicht, unter der Brücke durchzugehen. Ich lief also wieder zurück über die Brücke zur Abkürzung über den See zur Uni (schwach zu erkennen links vom geplünderten Fahrrad).


Im Schatten wurde es leider unerträglich kalt, und daher machte ich mich auf dem See Richtung Sonne. Überall hatte es Spuren, zum Teil richtige Wege, aber auch Trampelpfade, Fahrrad- und Langlaufspuren.


In der Sonne war es ja schon schön, allerdings spürte ich meine Füsse inzwischen kaum mehr. Ich machte mich auf den Weg zurück und ging diesmal durch den Wald. Nicht wirklich besser hier, aber die Aussicht auf ein warmes Gebäude mit einem warmen Büro, indem man einen heissen Kaffee trinken kann, trug mich zurück zur Uni. Aber der Ausflug hatte sich gelohnt, wer weiss, ob man den See diesen Winter noch einmal so unberührt sehen wird.

Keine Kommentare: