Freitag, 23. Januar 2009

Partitivi

Heute hatte Christian seine erste schriftliche Prüfung seit langem. Die letzte muss die theoretische Bootsprüfung im Jahre 2004 gewesen sein, die Diplomprüfungen sind sicher 10 Jahre her. Heute ging es aber um Finnisch - nachholen der Abschlussprüfungen von Suomi 1, da wir zu diesem Zeitpunkt in der Schweiz waren. Obwohl die Prüfung nicht einfach war, lief es ziemlich gut, das Büffeln hatte sich also gelohnt.

In diesem ersten Kurs (10 Wochen x 2 x 2.5 h...) ging es, nebst viel Vokabular und Verben, v.a. um den Fall Partitiv (es gibt noch 14 andere Fälle), einer grossen Spezialität der finnischen Sprache. Die Finnen sagen, dass es praktisch unmöglich ist, einen vernünftigen Satz zu machen ohne ein Wort im Partitiv - und das hat was.

Das Schöne am Partitiv ist, dass er einfach zu bilden ist. Einfach ein -a/-ä, -ta/-tä, oder -tta/-ttä ans Wort anhängen - der berüchtigte Stufenwechsel (Konsonantenwechsel) kommt hier nicht zum Zuge. Und die grundsätzliche Idee ist auch einfach - wie der Name sagt, steht ein Wort im Partitiv, wenn er ein Teil eines Ganzen darstellt (mä juon kahvia - ich trinke Kaffee, und zwar nicht allen, den es gibt). Das wärs dann aber auch schon mit der Logik.

Verwirrend ist zuerst mal der Fakt, das ein Wort im Partitiv nicht nur Objekt, sonden auch Subjekt sein kann (Kupissa on kahvia - in der Tasse ist Kaffee), dies ist allerdings eher selten. Der Partitiv wird ausserdem auch in folgenden Fällen angewendet:
  • Bei Begrüssungen (hyvää päivää! - guten Tag!) und Glückwünschen (hyvää uutta vuotta! - Gutes neues Jahr!).
  • Nach Zahlwörtern (ausser 1!). 2 Autos sind kaksi autoa - eigentlich hätte das Finnisch ja auch einen Plural (autot), aber nicht für diesen Fall.
  • Nach anderen Mengenangaben wie viele (monta), ein paar (pari), ein halbes (puoli), etc.
  • Viele Verben verlangen einfach den Partitiv, wie z. Bsp. lieben (rakasta - die Finnen lieben eben niemanden ganz, sondern nur einen Teil...) oder warten (odota).
  • Man kauft ein Auto (ostan auton) im (Genitviv-)Akkusativ, aber man kauft kein Auto (en osta autoa) im Partitiv.
  • Man hat ein Auto (mulla on auto) im Nominativ, aber man hat kein Auto (mulla ei ole autoa) im Partitiv.
  • Mit dem Partitiv kann man auch ausdrücken, dass eine Handlung jetzt gerade durchgeführt wird.
  • Es wird noch besser: Will man sagen, wie etwas ist, dann steht das Adjektiv (aber nicht das Subjekt!) im Partitiv, also Kahvi on kuumaa - der Kaffee ist heiss. Uff!
Alles klar? Egal. Zu guter Letzt: Es gibt auch noch den Partitiv im Plural, aber zum Glück hatten wir den noch nicht.

Jonas übrigens spricht zum Teil auch im Partitiv. So fragt er in der Nacht nach maitoa (von maito - Milch), bekommt aber nur vettä (von vesi - Wasser). Viele dieser Lebensmittel sind halt abstrakte Begriffe und fallen daher meist unter die Teilobjekt-Regel.

In diesem Sinne: Hyvää yötä! Gute Nacht!

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