Dies ist unser dritter Sommer hier. Im ersten Jahr sagten wir, dass wir sicher nie ans Rally gehen würden. Im zweiten Jahr war unsere Neugierde bereits so gross, dass wir 2 Mal den Service Park besuchten. Und im dritten Jahr? Der Zufall wollte es, dass heuer eine der Wettkampfstrecken nur unweit von Konnevesi lag und dass die dort gelegene Forschungsstation (und die ganze Region) nach einem starken Unwetter für 2 Tage keinen Strom hatte. So fuhr der temporär arbeitslos gewordene Christian ans Rally. An der Special Stage (so werden die einzelnen Rennabschnitte genannt) Sirkkamäki wollte er sich das Ganze mal genauer anschauen. Ob es wohl wirklich so langweilig ist, wie man es sich vorstellt?
Er machte sich also auf den Weg durch den Wald, um an einer geeigneten Stelle diese tollkühnen Männern in ihren rasenden Kisten zu beobachten.
Nach einer langen Stunde Warten ging es los, der Franzose und WM-Führende Sébastien Loeb brauste um die Ecke. Zu schnell für die Kamera.
Für diese sehr kurze Rennstrecke (6.45 km) benötigte der schnellste Fahrer 3 Minunten und 4 Sekunden. Dies bedeutet fast 130 km/h im Schnitt - der blanke Wahnsinn.
Der typische Rallybesucher ist männlich und sitzt auf einem selbst mitgeschleppten Klappstuhl. Er ist unsportlich, trinkt Bier und raucht eine Zigarette nach der anderen. Mückenspray benützt er partout nicht und lässt sich lieber von den Stechmücken und den besonders fiesen Kriebelmücken fressen. Er hat ein Radio dabei und hört das Rally Radio, wie alle anderen. Die ganz angefressenen Besucher schleppen Partygrill und Würste mit, andere bauen kleine Zelte auf, für den Fall, dass es regnen könnte. Kommt dann ein Auto daher geschossen, hebt er nur ein kurz den Kopf. Es sei denn, es war ein finnischer Rallyfahrer, dann klatschen ganz verhalten.
Gibt es aber einen Unfall, dann rennen und schreien alle los und wollen als erste am Ort des Geschehens sein. Glücklicherweise war dies aber bei unserer Kurve nur einmal der Fall, der Rest der Teilnehmer raste ohne Probleme durch den Wald.
Trotz den interessanten Möglichkeiten der Sozial- und Verhaltensstudien war es Christian dann irgendwann zu langweilig und zu blöd, und er machte sich auf den Weg zurück zum Parkplatz. Dabei kam er noch am Start vorbei und verblieb noch eine Weile. Hier war es ganz spannend, man sah die Autos ein wenig länger, es hatte viele Familien mit Kindern, weniger Mücken und mehr Himmel.
Das war er also gewesen, sein erster und sicher auch letzter richtiger Rallybesuch. Gewonnen hat übrigens überraschend der Finne Jari-Matti Latvalla. Der letztjährige Sieger, Mikko Hirvonen, musste bereits in der 4. Etappe aufgeben. Wer wissen will, warum, der schaue sich doch diesen kurzen Film an.
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